Selenskyj’s Wunschdenken

„Noch mehr Waffen! Noch mehr Waffen! Als Männer hat uns Gott geschaffen. Auf Männer, auf! – und schlaget drein! , die Freiheit soll die Losung sein!“

Präsident Selenskyj
Schauspieler und Patriot – mit deutschen Durchhalteparolen

 Das ist Wolodymyr Selenskyjs ukrainische Variante von „Zu den Waffen“ des Deutschen Ernst Moritz Arndt und dessen „Schlachtgesang“ aus 1810.  Das war dessen Aufruf gegen französische Fremdherrschaft und die Tyrannei Napoleons. So ähnlich klingen derzeit Selenskyjs Parolen gegen die russische Fremdherrschaft und gegen die Tyrannei Putins. Eine historische Entwicklung, die auch Joe Bidens „American Dream“ für Putin und Europa vorschweben mag.

Napoleons geeintes Europa

1810 hatte der plündernde Kaiser schon halb Europa annektiert: In Spanien herrschte sein ältester Bruder Joseph Bonaparte, sein jüngster Bruder Jerome in Westfalen und Hannover. Sein Schwager Joachim Murat residierte als König in Neapel, seinen Stiefsohn Eugène de Beauhanais hatte er zum Vizekönig von Italien ernannt. Seinen Bruder Louis machte er zum König von Holland, sein Neffe Louis herrschte in Düsseldorf.

Kaiser Franz I. von Österreich
Kaiser Franz I. von Österreich

Auch die Habsburger hatten herbe Verluste: Krain, Triest, Görz, Villach und die Küsten Kroatiens gingen an Napoleon, das Herzogtum Salzburg musste Österreich an Napoleons bayrische Knechte abtreten. Insgesamt gingen dem Reich rund 100.000 km2 mit 3,5 Millionen Einwohnern verloren – mehr als das heutige Österreich. 85 Millionen Francs an Kriegskontribution füllten des Tyrannen Kriegskasse.

Gegen Napoleons „Erfolge“ nehmen sich Putins Eroberungen der Krim und des Donbas eher mickrig aus. Und der kriegslüsterne Korse hatte Lust auf mehr. Er wollte Moskau erobern. Was will Putin wirklich?

Koalitionen – einst und heute

Napoleon – Held, Tyrann oder Kriegsverbrecher?

Als nennenswerte Gegner standen Napoleon nur noch England, Russland und Portugal gegenüber. Alle Versuche, diesen maßlosen Kriegstreiber zu stoppen, waren gescheitert. Auch ein dilettantisches Attentat des Deutschen Friedrich G. Staps, der Napoleon am 12.10.1809 in dessen kaiserlichen Residenz im Schloss Schönbrunn mit einem Küchenmesser erdolchen wollte. Mit dem Ziel, „das Vaterland von diesem Ungeheuer zu befreien“.

Wie Staps waren viele Deutsche nicht bereit zu resignieren.
„Zu den Waffen! Zu den Waffen! Komm Tod und lass die Gräber klaffen! Komm Hölle, thu den Abgrund auf!“

Arndt Denkmal in Greifswald

So munterte Arndt als deutscher Patriot seine Landsleute zum Widerstand auf. 1806 aus Greifswald vor den Truppen Napoleons in das neutrale Schweden geflüchtet, wettere er von Stockholm weiter gegen die „fremdherrschaftliche Bevormundung Deutschlands“. Zu seinen Ehren mutierte 1933 die Greifswalder Universität – wo er einst einen philosophischen Lehrstuhl inne hatte – zur Ernst-Moritz-Arndt-Universität.

Preußen als Napoleons Knechte

Friedrich Wilhelm III. von Preußen

1812 ging auch Preußen vor Napoleon in die Knie. Friedrich Wilhelm III. wurde verpflichtet, als Vasall Napoleons gegen Russland ins Feld zu ziehen. Angesichts der französischen Fremdherrschaft und Napoleons Tyrannei brachte es Arndts „Vaterlandslied“ aus 1812 zu besonderer Popularität:
„Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in seine Rechte.“

Parolen, die in ähnlicher Form Selenskyj im derzeitigen US-Stellvertreterkrieg gegen Russland an seine Landsleute richtet. Mit einem patriotischen Aufruf zum Durchhalten bis zum Endsieg::
„Auf, fliege, stolzes Siegspanier, voran den kühnen Reihen!
Wir siegen oder sterben hier den süßen Tod der Freien.“

Joe Biden’s Traum

Heroische Texte mit dem heroischen Ziel, einen fremden Tyrannen, der die Heimat überfallen hat, aus dieser zu vertreiben. Passt auch hervorragend auf die heutige Ukraine. Man muss Napoleon nur durch Putin ersetzen. Letztlich wurde dieser größenwahnsinnige Feldherr – Napoleon – doch noch von seinen alliierten Feinden besiegt.

Der Todesmarsch der „Grande Armée“

Der mit seiner „Grande Armée“ mit ursprünglich 400.000 Mann russisches Territorium überfiel. Der sich nach einem verlustreichen Rückzug und seiner vernichtenden Niederlage durch die Alliierten (Preußen, Russland und Schweden) in der Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) mit seinen restlichen 80.000 Mann über den Rhein zurückziehen musste. Der von den Koalitionstruppen bis Paris verfolgt am 30. März 1814 abdanken musste. 1815 wurde er für die Verwüstung halb Europas (Kriegsverbrechen, Völkermord – „Nürnberger Tribunal“) am Wiener Kongress geächtet – der kriegerische Spuk hatte ein Ende. Eine historische Entwicklung, die Selenskyj’s Waffenlieferanten auch als Putin’s Schicksal prophezeien.

70 Jahre Pazifismus

Ernst Moritz Arndt

Die heutigen Deutschen können mit Arndt’s Parolen, der gegen einen kriegslüsternen Tyrannen wetterte und „zu den Waffen“ ruft, nichts mehr anfangen. Nach mehr als 70 Jahren Frieden wollen die meisten von Krieg und Waffen (derzeit?…) absolut nichts wissen. (Dennoch sind Selenskyj’s Parolen gegen Putin in den meisten Medien „en vogue“.) Dem Zeitgeist folgend beschloss der akademische Senat der Arndt-Universität 2018, diese wieder in „Universität Greifswald“ umzutaufen. 2022 entschied das westfälische Remscheid, diesem Vorbild zu folgen. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium wurde zum Emma-Herwegh-Gymnasium. Benannt nach einer frühen Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung.

Olaf Scholz als Kanzler

Verständlich, dass es Deutschlands Kanzler Olaf Scholz unter solchen Umständen schwer hat, seine friedensliebenden Landsleute für ein 100 Milliarden Euro Paket zur Aufrüstung der Bundeswehr (und für Waffenlieferungen in die Ukraine) zu begeistern. Deutsche, die Putin weniger fürchten als eine kalte Stube und eine galoppierende Inflation. Scholz müsste zur Mobilisierung der Deutschen vielleicht die Lieder Arndts aus der Schublade holen. Sinnvoller wären jedoch Karl Kraus‘ „Die letzten Tage der Menschheit“: Zur Erinnerung daran, dass es im Krieg stets nur Verlierer gibt.

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