26.12. – ein Trauertag!

Guiseppe Bonito: Die Steinigung des Stephanos

Der 25. Dezember ist für alle Christen ein Festtag – da wird eine Geburt gefeiert. Der 26. Dezember ist auch ein Festtag – aber da gibt es eigentlich nichts zu feiern. Da wird der Steinigung des Erzmärtyrers Stephanus gedacht. Erst im 4. Jahrhundert wurde daraus ein Festtag. Eine frühchristliche Entscheidung im Kampf gegen das Judentum:

Die Überlieferung dieses ersten christlichen Martyriums (wenn wir von der Kreuzigung Jesus absehen) kennen wir aus der Bibel. Die Entstehung der Evangelien und der zugehörigen Apostelgeschichte und der dort verankerte Antisemitismus sind im historischen Kontext zu sehen. Mit dem jüdischen Terror gegen die jungen Jesus-Gemeinden, dem diese in den ersten zwei Jahrhunderten im östlichen Mittelmeerraum ausgesetzt waren.

Die ganze Region war ein Teil des Römischen Reiches. Das sich in die religiösen Belange der dort ansässigen Völker nicht einmischte – solange diese die Souveränität des römischen Kaisers nicht in Frage stellten. Gerade das war aber bei vielen jüdischen Eiferern der Fall. Dies führte letztlich im Jüdischen Krieg zur Zerstörung Jerusalems.

Thora oder Jesus?

Diese jüdische Orthodoxie entwickelte eine ausgeprägte Christo-Phobie. Dieser war von Haus aus auch die junge Jesus-Gemeinde in Jerusalem unter der Leitung des Stephanos ausgesetzt. Wie der Name erkennen lässt, war dies ein Immigrant mit griechischen Wurzeln. Der konfrontierte wenige Jahre nach Jesus Kreuzigung die Tempelelite mit den krassen Gegensätzen zwischen der neuen Jesus-Lehre und der alten, einst von Moses gepredigten Weltanschauung. Ein Christentum, das eine völlig neue Mensch-Gott-Beziehung propagierte. Er stellte damit die göttliche Macht der herrschenden Priesterelite – die jener im heutigen Iran ähnelt – komplett in Frage.

Vor dem vom Hohepriester geleiteten jüdischen Höchstgericht warf er diesem und seinen Parteigängern vor, die göttlichen Gebote und die von Jesus gepredigte Menschlichkeit zu missachten. Dazu führte er noch aus, Jesus sei der Sohn Gottes. Der wird den alten jüdischen Tempel niederreißen und für den wahren Gott einen neuen bauen. Das war sein Todesurteil. Für diese Blasphemie wurde er umgehend vor den Toren Jerusalems gesteinigt. (Ähnliche religiös motivierte Exekutionen gibt es auch heute noc

Der Tempel unter Herodes I. (Foto: FOTLbill)

Damit hatte das damals von Rom lediglich als jüdische Sekte wahrgenommene „Christentum“ seinen ersten Märtyrer. Das zu feiern kam niemanden in den Sinn. Stephanos war gesteinigt – und die Auseinandersetzungen gingen weiter. Vor allem, als sich die Jerusalemer Jesus-Jünger weigerten, im ersten Jüdischen Krieg gegen die Römer in die Schlacht zu ziehen. Eine Neutralität, für die sie nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. von den Römern vor einer Versklavung verschont blieben.

Die Revanche für diese mangelnde Gefolgschaft und den Abfall vom einzig wahren Glauben folgte 40 Jahre später im zweiten jüdisch-römischen Krieg (115 – 117 n.) gegen Kaiser Trajan. Der selbsternannte König Andreas versuchte, mit den von ihm rekrutierten Milizen der jüdischen Diaspora in der Levante einen jüdischen Gottesstaat zu errichten. Ähnlich wie das Abu Bakr al-Baghdadi mit seinem „Islamischen Staat“ gegen die herrschende Staatsmacht versucht hat. Andreas besonderes Augenmerk galt den ketzerischen, vom wahren Glauben abgefallenen Christen, welche aus seiner Sicht Jahwes gerechte Strafe verdient haben.

IS-„Staatschef “ Abu Bakr al-Baghdadi

Im Osten Libyens dominierten seit Alexander dem Großen griechisch orientierte Berber. Heiden, die erst vor kurzem zum Christentum bekehrt wurden. Der Historiker Cassius Dio (155 – 235 n.) schildert in seiner „Römischen Geschichte“ (Band LXVIII) zeitnah die Massaker, die der messianische Andreas bei seinen Einfällen in die Cyrenaika unter den dort ansässigen christlichen Römern und Griechen angerichtet hatte. Wer sich nicht beschneiden ließ, wurde massakriert. 220.000 fielen nach offizieller Geschichtsschreibung diesen Gräueln zum Opfer. Ähnlich ging es der christlichen Gemeinde in Alexandria, die von dem dort ansässigen Judentum unter der Führung des Andreas-Statthalters Artemio beinahe ausgerottet wurde. Danach verbündeten sich diese jüdischen Milizen mit den heidnischen Parthern und versuchten gewaltsam, in Zypern und Mesopotamien ihren Gauben zu verbreiten. Erst Kaiser Trajans massiver Truppeneinsatz bereitete dem Terror dieses „Diaspora-Aufstandes“ ein Ende. Der mauretanische Feldherr Quietus Lusius wurde zur Befriedung als Statthalter Palästinas eingesetzt.

20 Jahre später diente der tote Andreas dem Simon Bar Kochba als Vorbild. Seine neuen Zeloten als paramilitärische Widerstandsbewegung kämpften wieder einmal „für die Freiheit Jerusalems“. Und ebenfalls gegen die sich erfolgreich ausbreitenden christlichen Gemeinden. Für das mosaisch-konservative Judentum wurde er bis heute zum Helden des jüdischen Widerstandes – zum Vorbild des wehrhaften Juden.

Diese frühen jüdischen Pogrome gegen das junge Christentum haben sich im kollektiven Gedächtnis der nachfolgenden christlichen Generationen fest verankert. (Ähnlich der Shoah unter den Juden nach 1945.) Als Wurzel eines christlichen Antisemitismus, der sich auch in den frühchristlichen Texten – und im Neuen Testament – widerspiegelt. (Dessen historische Quellen in „JESUS trifft BUDDHA“ aufgeigt werden.)

Julians Traum: Eine polytheistische Reichskirche

Kaiser Julian, ein Enkel des erfolgreichen Kaisers Konstantin, versuchte ebenfalls, das Christentum (und östliche Mysterienkulte) zu Gunsten der althergebrachten römischen Götter zu stoppen. Gleichzeitig machte er eine Wende in der kaiserlichen Judenpolitik, da er die Juden aufgrund ihres Festhaltens an ihrem Väterglauben sehr schätzte – nicht jedoch deren Monotheismus. Denn der getaufte Julian war ein Polytheist, der den Gott der Juden als Teil seines heidnischen Götterhimmels akzeptierte.

Historiker Cassius Dio

360 n. waren die seit Konstantin privilegierten Christen durch Kaiser Julian daher erneut Verfolgungen ausgesetzt. Leitende christliche Beamte und Militärs wurden entlassen, von den Christen zerstörte Tempel erneuert. (Eine Politik ähnlich der derzeitigen Re-Islamisierung der Türkei.) Der Unterricht durch christliche Lehrer wurde eigeschränkt, antichristliche Ausschreitungen wurden von ihm toleriert. Um Amt und würden bangend fanden es viele opportun, wieder den alten Staatsgöttern zu opfern. (Entgegen christlichen Legenden ließ er jedoch keine Christen auf Grund ihres Glaubens hinrichten.) Bei Julians Versuch, Persien zu erobern, starb er erst zweiunddreißigjährig in einer Schlacht am Tigris – möglicherweise durch einen Lanzenstich eines römisch-christlichen Legionärs. Mit dessen frühem Tod endete sein Traum einer römisch-polytheistischen Reichskirche.

Das Christentum erlebte eine neue Blüte. Angesichts der gerade überstandenen Verfolgungen waren Märtyrer als Heroes eines unerschütterlichen Glaubens sehr populär. Insbesondere die des Stephanos. Der war ja das erste christliche Opfer des (nunmehr von den Christen verfolgten) Judentums. So kam der Erzmärtyrer etwa 380 n. zu dem Privileg, mit einem neu eingeführten Feiertag faktisch gleichzeitig mit Jesus Geburt geehrt zu werden. Er wurde zum Schutzheiligen unseres Stephansdoms und zum Namenspatron von König Stephan I. – dem Sväty István. Der christianisierte die heidnischen Magyaren – und avancierte dafür als „Heiliger Stephan“ zum Schutzpatron aller Ungarn.

Steinigungs-Installation im Stephansdom 2018

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