Friede im Kommunionsstreit

Was ist das: die Kommunion

Ist das Brot, das Jesus beim letzten Abendmahl gereicht hat, wirklich sein Fleisch? Ist der Becher mit Wein, den er seinen Jüngern zu trinken gab, wirklich sein Blut? Mit dieser Frage hat sich kürzlich Kardinal Christoph Schönborn in seinem „Sonntagsevangelium“ auseinander gesetzt. Er verweist dazu auf die wunderbare Speisung einer Volksmenge am See Genezareth im Johannesevangelium 6,51 – 58:

Jesus in der Bibel
Bild: Cuyter Black 2008

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sag ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde in auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“

Es waren diese Worte des Johannes Evangeliums, die den frühen Christen den Ruf einbrockten, sie würden bei ihren heimlichen Treffen kannibalische Rituale pflegen. Was selbst bei der allerlei Abartigkeiten gewöhnten römischen Society Abscheu erregte. Sie waren auch der Anlass, dass sich jene Anhänger von Jesus abwandten, die in ihm nur einen Manna vom Himmel zaubernden und Fische vermehrenden Rabbi sahen: „Abstoßend sind diese Worte – wer kann da nur zuhören!“

Da machte er seinen zwölf Aposteln klar: „Der Geist ist es, der Leben wirkt, das Fleisch ist gar nichts.“

Jesus am See Tiberias
Wunderbare Fischvermehrung

Und dies war auch die Botschaft, die er beim letzten

Abendmahl verkündet hat. Die offenbar nicht verstanden und daher unverständlich weiter erzählt wurde.

Die in Kürze erscheinende Evangelienharmonie „Jesus Fake“ kommt zu einer anderen Übersetzung: „Nach dem Essen nahm Jesus das Brot, dankte, brach es und sprach: Dies ist mein Leib, der gebrochen wird. Nehmt, esset und denkt an mich. Und er nahm den Becher, trank, reichte ihn den Schülern und sprach: Trinkt, dies ist mein Blut, das euch durchströmen soll zu einem neuen Liebesbunde. Ein neues Gebot gebe ich euch: Habt euch lieb! So sollt ihr euch lieb haben, wie ich euch geliebt habe. Denn daran, dass ihr euch lieb habt, werden die Menschen erkennen, dass ihr meine Schüler seid. Und niemals sollt ihr fröhlich sein, wenn ihr nicht euren Bruder in Liebe seht.“

Braucht Gott die Engel?
Leib Christi?

Das war der eigentliche Text, der bereits frühzeitig ins Unverständliche verzerrt wurde: Als Jesus Christus aramäische Predigten in fremde Sprachgebiete getragen wurde, mussten sie übersetzt werden. Und zwar frei nach den Worten des Bischofs Papias von Hierapolis (heute Pamukkale in der Türkei), einem Schüler des Apostel Johannes im frühen 2. Jahrhundert, zu den vielfältigen und widersprüchlichen Überlieferungen der Evangelien: Ein jeder übersetzte „so gut er es vermochte“. Fragwürdige Übersetzungen, an denen sich viele christliche Kirchen bis heute festklammern. Die letztlich – wie Schönborn richtig erkannte – auch vor 500 Jahren zur Spaltung der Christenheit beigetragen haben. Wie konnte man Jesus, der gekommen ist, uns vom Irdischen weg ins geistige Reich Gottes zu führen, den Gedanken der Entkörperung seines Wesens in Brot unterschieben? Einen Gedanken, der seinem Wollen und Wesen aufs schärfste widerstrebte! Ihn, dessen Reich nicht von dieser Erde ist, in ein Stück Brot bannen zu wollen.

Transsubstantiation:

Entweder hat Jesus uns von den lichten Höhen des Göttlichen ins Dunkel des Irdischen führen wollen – dann kann die Lehre von der Brotverwandlung echt sein; oder Jesus wollte uns vom Irdisch-Stofflichen weg ins Geistige führen, dann ist die Lehre von der Brotverwandlung falsch. Da kann es keinen Zweifel geben, was bei der Überlieferung echt und was falsch – fake – ist. Darüber können auch so zweifelhafte Worte wie „Transsubstantiation“ nicht hinwegtäuschen und Jesus-Schülern nicht weiter helfen. Auch wenn die Entwicklungslinien der Eucharistiefeier in den ersten Jahrhunderten nach wie vor unklar sind. Und Schörnborn bei seiner jüngsten Interpretation des „letzten Abendmahls“ – dem Sakrament der Eucharistie – versucht, sich mit dem Begriff „Kommunion“ als Synonym für das heutige „kommunizieren“ simpel einer Entscheidung zu ersparen.

 

 

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