Glaube versus Diktatur

Glaube und Heimat in der Josefstadt (Foto: Moritz Schell)

Schönherr in der Josefstadt

Es gehört viel Mut und Selbstvertrauen dazu, ein einhundert Jahre altes „Blut und Boden“ Drama in Wien auf die Bühne zu bringen. Noch dazu, wenn es um Glaubenskonflikte, Vertreibung und Enteignung geht. Und wenn dieses Werk von einem Autor wie Karl Schönherr stammt, der sich zum Nationalsozialismus  positiv geäußert hat. Das Theater in der Josefstadt hat es gewagt. Die Vorpremiere von „Glaube und Heimat“ am 13. Februar war dank der packenden Regie von Stephanie Mohr ein toller Erfolg.

Der Altbauer mit seinem Sohn (Foto: Moritz Schell)

Schmerz und Kummer treiben einem die Tränen in die Augen. Vor allem durch die schauspielerische Leistung des Ensenmbles. Herausragend die beiden Protagonisten Raphael von Bargen als lutheranischer Sturschädel und sein ebenso verbohrter katholischer Gegner Claudius von Stolzmann. Dessen höchstes Ziel es ist, als brachialer Reitersmann die evangelischen Ketzer im Namen des Kaisers aus dem heiligen Land Tirol zu vertreiben. 

Es geht um die Worte Jesu, welche die einfachen Bauersleut durch Luther erstmals verständlich zu lesen bekamen. Die sie höher achten als Befehle des Kaisers. Der die Freiheit der Gedanken fürchtet. Dafür seine bigotten Häscher ausschickt, Lutheraner auszuforschen und zur Konversion zu zwingen. Die dafür im Namen ihres Glaubens und ihrer heiligen Mutter Maria Andersgläubige wegen solcher Glaubensdifferenzen mit dem Schwert niederstrecken. Und anschließend dafür Gott um Verzeihung bitten. Bewaffnete Truppen, die bei der Exekution kaiserlicher Befehle nicht mit der Dickköpfigkeit freier Tiroler Bauern zurechtkommen.

Der Reiter des Kaisers mit seinem Opfer (Foto: Moritz Schell)

Karl Schönherr geht es bei seinem Drama um Besitz und Habgier und um die Freiheit der Besitzlosigkeit. Es geht um den Wert ererbter Güter, für deren Vermehrung sich Generationen von Bauern Zeit ihres Lebens abgerackert haben. Es geht um die Gewinner und Verlierer solcher Glaubenskämpfe. Es geht um die Hierarchien, die sich aus diesem Besitz ableiten. Und um den Hochmut gegenüber den Besitzlosen. Auch von jenen, die sich als die wahren Christen dünken.

Letztlich wollte Schönherr jene Ideen aufzeigen, die der besitzlose Wanderprediger Jesus seinen Jüngern nahe zu bringen versuchte. Die Hab und Gut – ihre bisherige Heimat – verlassen haben, um Jesus zu folgen. Mit dem Gottvertrauen, dass sie auch in der Fremde eine neue Heimat finden werden. Mit einem neuen Anfang, zu dem auch die Versöhnung mit dem Feind gehört. Das beschert dem Publikum einen dichten und beklemmenden Abend. Nach dem manch einer froh ist, dass wir solche „gläubige“ Zeiten hinter uns gelassen haben. Jedoch ahnen, dass trotz aller Aufklärung solch ideologischen Glaubenskämpfe immer wieder ausbrechen können. 

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