Schönborns halbe Wahrheit

 

Lukas statt Markus

Es ist erstaunlich, wie Kardinal Christoph Schönborn, unser Sonntags Krone Prediger, uns kürzlich die Bibel erläutert hat. Als er uns die Story von Jesus in seiner Heimatstadt Nazareth erzählte. Nach Markus predigte er in der Synagoge, wo er über der „Unglauben“ seiner Zuhörer verwundert war. Und deshalb den berühmten Ausspruch tat: Nirgends hat der Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in der Familie.

Welch Schmerz bewegte Schönborn bei diesen Worten?: „Warum tun wir uns oft so schwer, Menschen anzunehmen, wenn sie anders sind, als wir uns erwarten? Ist Jesus bei uns wirklich willkommen?“ Mit den Evangelien hat diese Schörnborn’sche Interpretation nichts zu tun. Das wissen nur die, die tatsächlich die Evangelien lesen. Aber nicht jene, die sich auf Schönborn statt auf die Evangelien verlassen. Die schlucken daher anstandslos das Lamento, dass Jesus als Gutmensch bei den Seinen nicht willkommen war.

Vielleicht sollte Schönborn nicht Markus 6, 1b-6 zitieren, sondern Lukas 4, 16-28. Dort findet er die Erklärung, was Jesus in Nazareth wirklich gepredigt hat: Weshalb er nicht bloss auf Unverständnis stiess – wie etwa Schönborn, als er ins Kloster ging – sondern fast gesteinigt wurde. Was Schörnborn uns lieber verschweigen will: „ Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland. Aber wahrhaftig, ich sage euch. Es waren viele Witwen in Israel zur Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine grosse Hungersnot herrschte im ganzen Land. Und zu keiner wurde Elia gesandt als zu einer Witwe nach Sarepta im Gebiet von Sidon. Und viele Aussätzige waren in Israel zur Zeit des Propheten Elisa, und keiner von ihnen wurde rein als allein Naaman aus Syrien. Und alle, die in der Synagoge waren, wurden von Zorn erfüllt , als sie dies hörten. Und sie stiessen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Abhang des Berges, um ihn hinab zu stürzen.“

Das klingt anders als die Schönborn – Story. Es ist ein Verweis auf den samaritanischen Propheten Elia im 1. Buch der Könige. Der wollte bei einer armen Witwe seinen Hunger stillen, die aber nur eine Handvoll Mehl und wenig Öl hatte. Der Gott für ihre Fürsorge für den Propheten künftig stets mit Brot und Öl versorgte und der ihren im Sterben liegenden Jungen überdies vor dem Tod bewahrte. Und es ist der Verweis auf einen nichtjüdischen syrischen Hauptmann, den der König Israels nicht von seinem Aussatz heilen konnte. Der aber dank seines Glaubens mit Elias Hilfe von seiner lebensbedrohlichen Krankheit befreit wurde.

Lukas erklärt uns den Unwillen der Nazarener nach Jesus Predigt: Er predigte den Seinen, dass Gott nicht einer Jahwe treuen Israelitin, sondern einem syrischen Heiden und einer fremden, phönizischen Frau seine Gnade erwiesen hatte. Ein Gleichnis, wie wir es auch aus der Erzählung über den armen Samariter kennen. Eine Geschichte, die manche In Wien durch einem Wandbrunnen des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt kennen, der dieser gutherzigen Heidin aus dem heutigen Libanon ein bleibendes Denkmal errichtet hat. Es war Jesus harscher Angriff auf den jüdischen Unglauben der Synagogen – Besucher, der ihn noch vor seiner Kreuzigung fast das Leben gekostet hätte. Das ist Lukas Version „über den Unglauben“, über die sich Schönborn künftig in „Jesus Fake“ informieren kann: eine noch heuer erscheinende Evangelienharmonie, die Jesus in einem neuen Licht erstrahlen lässt.

Dr. Friedrich Knöbl, 2340 Mödling

 

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