„Jessas Marandjosef“

Schon wieder ein neues Jesus-Buch!

„JessasMaria“ – das ist laut bayrischen Wörterbuch ein Ausdruck des Erstaunens oder Erschreckens. Das sagen vielleicht auch manche, wenn sie von einem neuen Jesus-Buch hören. Denn Bücher über das Leben Jesus füllen schon ganze Bibliotheken. Was kann da Karl Kolm in „JESUS trifft BUDDHA“ noch Neues bringen? Es ist auch nicht das erste Buch, das die äußere Parallelität der Buddha- und Jesus-Erzählungen abhandelt. Vorweihnachtlich interessant ist auf jeden Fall die Geburtslegende:

Siddharta Gautama Buddha ist – wie Jesus aus dem Hause David – ein Spross edlen Geschlechts. Auch er hat eine jungfräuliche Mutter mit einer unbefleckten Empfängnis – eine sogenannte Parthenogenese. Diese schwangere Maya wurde – wie die heilige Maria – auf einer Reise von ihrer Niederkunft überrascht. Der weise Prophet Asita kam – wie etwa die Heiligen drei Könige – zu dieser wundersamen Geburt vom Himalaya herab. Der prophezeite Mayas königlichen Ehemann: „Euer Sohn wird hier zum Heile alles dessen, was lebt geboren. Er wird ein Welterlöser werden und ein dauerhaftes Licht anzünden in allen Wesen…“

Juno, die Urmutter aller Frauenrechtlerinnen

Die Göttin Juno (W.Sauber, Römermuseum)

Die weltweite Mythologie kennt auch eine Menge anderer Darstellungen, die an Stelle einer väterlichen Zeugung – etwa durch den „Heiligen Geist“ -eine magische Empfängnis schildern: Durch den Genuss eines Apfels oder sonstiger Früchte, von Kieselsteinen oder Fichtennadeln.

Oder durch Riechen, wie bei Ovid etwa die Göttin Juno – die Schirmherrin Roms – den Mars durch Riechen an einer Blume empfängt. So bewirkt auch der Geruch einer Frucht bei der Tochter Abrahams deren Schwangerschaft. Daneben finden wir auch andere gottbewirkte Fruchtbarkeiten alttestamentlicher Frauen, etwa
Lea, Rebekka oder Sepphora. Daneben gibt es auch andere vaterlose Konzeptionen, die eine Art gnadenhaftes Eingreifen Gottes bei alten,
unfruchtbaren Frauen schildern: Bei Sara im Buche Genesis, bei Hanna, der Mutter Samuels oder bei Simsons Mutter im Buche Richter. Und
auch die alten Ägypter scheinen an eine reale Zeugung durch den Geist Gottes geglaubt zu haben.

Maja – Tochter des Atlas – als eine der Plejaden (1885, Metropolitan Museum NY)

Interessant ist auch die Namensverwandtschaft der beiden Gottesmütter: „Maya“ ist nicht nur die Mutter Buddhas, sondern in der indischen Philosophie/Theologie auch die Welterschafferin – die „unergründliche Schöpferkraft“ des absoluten Brahman. Sie ist der Inbegriff jener Illusion oder Zauberei, welche dem Menschen die Wahrheit als andere Wirklichkeit erscheinen lässt. In der griechischen Mythologie taucht „Maja“ als Tochter des Atlas und Mutter des Hermes auf, als Gottheit des Wachstums und der Fruchtbarkeit. Und im altitalischen Götterhimmel war die „Maia“ als Ehefrau des Gottes Vulcanus die Größere, die Hehre – die Mutter des Gottes Mercurius.

Im Hebräischen gab es die Prophetin „Mirjam“, die Schwester des biblischen Moses. Auf syro-aramäisch ist sie die „Maryam“ – phonetisch nicht weit weg von Maya. Es war für die Nachfolger der Evangelisten daher nicht schwer, für Marias Geburt Vorbilder für eine glaubhafte Geburtslegende zu finden.

Die uralten Quellen

Katharinenkloster am Berg Sinai: Fundort ältester Schriften

Mit dem, was Buddha und Jesus gelehrt haben, haben diese erbaulichen Erzählungen wenig zu tun.Der Anonymus Karl Kolm schuf etwas, was für etablierte Theologen ein No-go ist: Eine zusammenfassende Übersetzung der vier kanonischen Evangelien. Somit eine „Veränderung“ der Heiligen Schrift. Erarbeitet anhand der ältesten uns derzeit bekannten Quellen, vor allem des Sinai Syrers. Jene syrische Handschrift, die erst 1890 im Sankt Katharinen Kloster am Fuße des Berges Sinai von den Zwillingsschwestern Margaret Gibson und Agnes Smith entdeckt wurde. Deren Bedeutung der 1947 entdeckten Qumeran-Funde durchaus ebenbürtig ist.

Christoph Schönborn – in der Sonntags – Krone

Kolm‘s Leistung ist eine gigantische Zusammenschau aller noch vorhandenen Quellen um den“ historischen“ Jesus, die er in die bekannten vier Evangelien einfügt und sie überdies in eine zeitlich logische Reihenfolge bringt. Manche unverständlichen Worte, die zu erklären sich zB der Kardinal jede Woche in der Sonntags-Krone – möglicherweise vergeblich – abmüht, werden von Kolm als Übersetzungsfehler, als Verfälschungen erkannt: Plötzlich entsteht hier ein Mensch aus Fleisch und Blut, in einer spannenden Zeit in einem spannenden Umfeld. Ein Jesus, der viel Wissen – aus welchen Quellen auch immer, möglicherweise aus buddhistischen – hatte und zweifellos auch Fähigkeiten, aber sich einer völlig unverständigen Anhängerschar gegenübersah.

Kampf gegen Priester-Eliten

Hinduismus: Brahmanen und „heilige Männer“

Jesus bekämpfte wie 500 Jahre zuvor Buddha die herrschende Priesterkaste. Bei Buddha waren es die hinduistischen Brahmanen mit ihrem hierarchischen Kastensystem. Bei Jesus war es die oligarchische Tempelelite von Jerusalem. Jesus schuf und propagierte eine Philosophie mit einer neuen, humanistischen Ethik. Statt des mosaischen Gottes rückte nun der Mensch in den Vordergrund. Dank seiner geistigen Autonomie kann jeder für sich schrittweise am Weg nach oben, hin zum Guten, die Leiden des irdischen Lebens überwinden. Dafür ist kein Gott nötig, auf dessen Autorität und Allmacht sich Menschen zur Unterdrückung ihrer Mitmenschen berufen. Jeder kann sich so selbst befreien und erlösen.

Wer mehr darüber wissen will, der kann „Jesus trifft Buddha – das atheistische Evangelium“ in jeder Buchhandlung oder auf allen großen Internetplattformen kaufen. Wer eine Rezension darüber verfassen will, kann beim Berliner Verlag Frank & Timme ein Rezensionsexemplar anfordern. Oder auf meinen nächsten Blog warten.

Oder schreiben Sie mich an: derknoebl@aon.at

 

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