Merkel und Pilatus

Aushang in Toiletten
Händewaschen – aber richtig

Wie man richtig Hände wäscht – darüber haben sich schon vor Jahren die Brüsseler Bürokraten den Kopf zerbrochen. In den Toiletten des EU-Parlaments hängen dazu ausführliche Belehrungen: Mindestens 30 Sekunden; dabei Daumen und Fingerspitzen nicht vergessen – so lautet die Devise.

Wieviel Wasser muss es sein
Händewaschen – einmal gründlich

Mit der Corona-Pandemie eroberte diese Belehrung die politische Bühne. Angela Merkel und Sebastian Kurz ermahnen ihre Landsleute, sich an dieses Gebot zu halten. Dieses wird schon den Kindern eingehämmert: Nach dem Klo und vor dem Essen – Händewaschen nicht vergessen!

Liebevolle Erziehung
Wasserschöpfen im Tempel

Dabei sind diese Corona-Vorschriften ein Klax gegenüber jenen, die es schon zu Jesus Zeiten gegeben hat. Die pharisäischen Schriftgelehrten machten sich ein Gewerbe daraus, die Umgehung der 613 Verbote und Gebote zu erleichtern, die zu jener Zeit gezählt wurden. Im Jesus -Buch des theologischen Alttestamentlers Herbert Braun findet sich jener Absatz, der den damaligen Gebots-Standard umreißt:

„Vor jedem Hauptgericht müssen die Hände bis zum Handgelenk durch eine Waschbegießung rituell gereinigt werden. Auch hier sind die Einzelheiten genau festgelegt: die Zeitpunkte im Ablauf des Mahls, die benötigte Menge Wasser, die korrekte Haltung der Hände bei der Prozedur. Für die peinliche Exaktheit dieses Strebens nach kultischer Reinheit ist die Vorschrift für die doppelte Begießung der Hände typisch: Der erste Guss nimmt die Unreinheit der Hände fort; der zweite beseitigt die restlichen, nun unrein gewordenen Tropfen des ersten Gusses.“

Händewaschen unter Aufsicht
Hygiene-Schulung in Afrika

„Tempelkult und Gesetzesfrömmigkeit waren die beiden Pfeiler, auf denen die jüdische Religion und damit die Existenz des Volkes beruhten“, analysierte Rudolf Augstein schon 1999 in seinem Buch „JESUS – Menschensohn“ die aus jüdischem Gottes-Glauben resultierende Notwendigkeit des Gehorsams gegenüber diesen Geboten. Obwohl dieses Händewaschen nicht in den fünf Büchern Mose – der Tora – vorgeschrieben war, sondern in der „mündlichen Tora“ der Überlieferung, die genau so verbindlich war. Wie eine derartige Bindung auch heute noch im Islam für viele, nicht im Koran verankerte Gebote (siehe: Kopftuch!) gilt.

Laut Markus wurde Jesus Jüngern vorgeworfen, nicht an diese Gebote zu halten. Selbst Jesus hat derartige Vorschriften – etwa das Ruhegebot des Sabbats – missachtet. „Dadurch bewies er, dass die herrschende jüdische Oberschicht der Erlösung m Wege stand“, verweist Augstein auf den revolutionären Aspekt einer derartigen Gebots-Negierung und Gehorsams-Verweigerung. Wer mehr zu diesem Thema lesen will, der nehme das soeben erschienene Buch „JESUS trifft BUDDHA“ zur Hand. In dem Jesus Worte bereinigt von den mosaischen Überlieferungen und Vorstellungen zu finden sind.

Besuch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rathaus Köln

Der Kölner Regisseur Frank Castorf hat jüngst im „Spiegel“-Interview gegen die Corona-Vorschriften von Angela Merkel als Einschränkung der persönlichen Freiheit polemisiert; er sollte einmal den Talmud zur Hand nehmen, um zu sehen, was den Menschen früher im Namen Gottes zugemutet wurde. Im Vergleich dazu kann Merkel wie anno dazumal Pilatus ihre Hände durchaus in Unschuld waschen – es muss ja nicht gleich bis zum Ellbogen sein.

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