Wie gründe ich eine Religion?

Am 13. Mai hätte Adolf Holl seinen 90er feiern können. Wenn er sich nicht schon im Jänner von uns verabschiedet hätte. Ein Ketzer, wie manche sagen. Ein scharfsinniger Religionskritiker – wie andere ihn sehen. Jedenfalls ein ungeheuer vielseitiger Mensch. Dessen Leben als Priester, Gelehrter, Unruhestifter und Zeitanalytiker sein Biograph Dr. Harald Klauhs in dem Buch „HOLL – Bilanz eines rebellischen Lebens“ verewigt hat.

Holl: Bilanz eines rebellischen Lebens

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Buddha ist im Wald verschwunden
Buddhas Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum

„Ich selbst neige zu der Auffassung, dass Gott eine jede Religion gelten lässt, solange sie die Menschen nicht unglücklicher macht, als sie ohnehin schon ist“, fasste Holl im Jahr 2010 seine religiöse Weltsicht in seinem „Brevier“ (Residenz-Verlag) zusammen. Was ist für so eine Religion aus seiner Sicht nötig? Das hat er bereits 2009 im amüsanten Leitfaden „Wie gründe ich eine Religion“ zusammengefasst.

Buddha ist im Wald verschwunden, Jesus in die Wüste gegangen, Mohammed in der Höhle gehockt, um sich einen Namen zu machen. So haben früher Religionen begonnen. Holl’s locker formulierte Ideen, wie man heute eine Religion gründen könnte, sind ihm beim Frisör gekommen. Angesichts mittlerer bis größere Katastrophen beurteilt er „die Lage hoffnungslos, aber nicht ernst“. „Holl hatte genug von Glaubensbekenntnissen aller Art“, beschreibt Klauhs die Metamorphosen Holl’s. „Er macht sich an die Entgottifizierung beziehungsweise Nullifizierung.“ Und auf die Suche „nach dem vulkanischen Wesen der Religion“. Dafür ist eine neue Religion erforderlich. „Wenigstens für meine zwei Katzen“, blickt er zurück ins alte Ägypten. Wo diese Katzenwesen es „mit jenseitiger Würde“ zu einem religiösen Status gebracht haben.

Mohammeds Grotte am Berg Hira

„Ledig, keine Kinder. Verheiratete sollten keine Religion gründen, weil die Sippschaft immer Probleme macht, wie der Islam zeigt. Verwitwet ist die zweitbeste, geschieden die drittbeste Lösung“, analysiert Holl das für Religionsstifter erforderliche familiäre Umfeld. Das geistige Umfeld scheint um 500 vor Christi besonders anregend gewesen zu sein: In China lebten Konfuzius und Laotse; in Indien entstanden die Upanischaden, Buddha erschien auf der Bildfläche; im Iran lehrte Zarathustra; in Palästina traten die Propheten Elias. Jesaja und Jeremia auf; in Griechenland dichtete Homer und grübelten die Philosophen Parmenides, Heraklit und Platon über den Sinn des Seins. „Die Frage, ob Religion von Haus aus eine männliche Angelegenheit ist, sitzt als Stachel im Fleisch der Frauen.“ Denn aus Holl’s Sicht haben es Frauen angesichts maskuliner Omnipotenz recht schwer, eine neue Religion zu gründen. Männer können bei derartigen Neugründungen auf eine berühmte Ahnengalerie (bis hin zu Abraham) zurück greifen – eine Frau muss ganz von vorne anfangen.

Auch Männer haben es bei der Propagierung einer neuen Religion nicht leicht: „Selbst wenn ich die Chance bekomme, meine Religion zur besten Sendezeit einem Millionenpublikum verständlich zu machen, werden sich höchstens zwei Dutzend Interessierte bei mir melden, alle mit einem schweren Dachschaden“, gehört zur Religionsgründung daher Ausdauer. „Unerlässlich ist dabei eine gewisse Lebhaftigkeit bis ins hohe Alter – wenn keine Alzheimer dazwischenkommt“, kritisiert Holl in diesem Zusammenhang die Freud`sche Analyse, dass Religion bloß eine infantile Wunschbefriedigung sei. „Ohne es zu wollen, geriet er damit in die Gesellschaft asketischer Priester, die so gern durch das Schlüsselloch des elterlichen Schlafzimmers spähen“, hat eine derartige frühreife Wissbegier „den Beichtstuhl und die heilige Inquisition erfunden“.

Eva bloß eine männliche Rippe?

Natürlich gehört zu einer Religion auch eine Schöpfungsgeschichte. Wie etwa in der Bibel: „Als dichtkundige Kamelzüchter vor dreitausend Jahren eine Geschichte vom Paradies erzählten, die das Geschlechterverhältnis männerfreundlich regulierte“. Obwohl es dazu auch ganz andere Erzählungen gibt. Etwa in älteren Quellen, wie jene der in Nag-Hammadi in einem Tonkrug versteckten „Schrift ohne Titel“. Dort findet Holl eine Eva, „die zunächst als alleinerziehende Mutter ohne männlichen Erzeuger auskommt.“ Sie ist es, die – im Gegensatz zum biblischen Text – ihr männliches Ebenbild zum Leben erweckt. „Und unter dem Baum der Erkenntnis entdeckt sie, wie schön Liebe sein kann“. Eine Eva, die über die Geschichte lachen würde, sie stamme bloß von der Rippe eines Mannes ab. Eine alte religiöse Legende, die Holls frauenfreundliches Weltbild nicht trüben konnte.

„Marktwirtschaftlich betrachtet lässt sich Religion als Ware auffassen, die der Kundschaft die Konfrontation mit vernunftwidrigen Lebensumständen erleichtert“, sind derartige Widrigkeiten für Holl der Grund, „weshalb in Kosmopolis so viele neue Religionen gegründet werden“. Nach dem Motto: Öfter etwas Neues. „Dabei handelt es sich so gut wie immer bloß um Varianten der beiden Prototypen religiöser Sinngebung: dem Eingottglauben aus Ägypten und dem Null-Programm aus Indien“.

Der Vorteil dieses neuen, vielfältigen Religionsangebots: „Wer den Glauben verloren hat, kann sich ohne weiteres einen neuen besorgen. Selbst jene, die mit der Religion bislang nichts am Hut haben, finden das eine oder andere Schnäppchen. Selbstverständlich ist auch für Atheisten, Naturalisten, Kommunisten, Spiritisten, Fundamentalisten, Anarchisten, Nihilisten, Exorzisten. Terroristen, Sozialisten, Sadisten und Okkultisten etwas auf Lager.“ Um entsprechende Marktanteile an der „Ärztlichen Seelsorge“ – so der Buchtitel des Wiener Neurologen Viktor Emil Frankl – kämpfen Priester und Psychiater. Er schrieb: „Das Ziel der Religion ist das Seelenheil, das der Psychotherapie die seelische Heilung.“ Holl schafft es, diese verwandten Zielsetzungen subtil zu trennen: „Das altmodische Seelenheil kostet nichts oder allenfalls eine milde Gabe; die moderne Psychotherapie ist honorarpflichtig.“

Vom Theologen zum Philosophen

Was macht aber der, der bislang ohne psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe zurechtgekommen ist, spirituell aber unruhig blieb? „Der sucht eventuell den Weg zur astrologischen Orientierung im Weltgefüge“. Allerdings sackte die würdige religiös-rituelle Sterndeutung des Altertums in der Neuzeit auf ein simples Gewerbe ab. Wie etwa beim Hof-Mathematicus und Entdecker der Planetenbewegungen Johannes Kepler. „Der war kein Phantast. Gleichwohl besserte er sein Budget mit dem Errechnen und Interpretieren von Horoskopen auf.“ So auch für Wallenstein. Wohl wissend, dass jene „Wahrheit“, die dieser von ihm wissen wollte, nicht in den Sternen steht. „Wer das verlangt, habe das Licht der Vernunft, das Gott ihm angezündet, noch nie recht geputzt“, richtete er Wallenstein aus.

Wichtig ist es für einen Religionsgründer, die Kunst der Manipulation zu beherrschen. Darauf hat der „entsprungene Dominikanerpriester und freiberufliche Philosoph“ Giordano Bruno in seiner erst Jahrhunderte später veröffentlichten Schrift „De vinculis in genere“ verwiesen. Die wirksamste Form manipulativer Kundigkeit äußere sich in der sorgfältigen Pflege der Überzeugung, einer guten Sache zu dienen. „Propheten und Religionsgründer aller Zeiten hätten es meisterlich verstanden, Selbstverleugnung und Opferbereitschaft in den Herzen der Gefolgschaft zu wecken“. Wie ihnen das geglückt sei, das habe Bruno an Zauberei erinnert. „Zwischen Magie und Religion zog Bruno ohnehin keine festen Grenzen, was für die Unvoreingenommenheit seines Denkens spricht“, ist es für Holl nicht verwunderlich, dass der ihm geistige verwandte „Ketzer“ anno 1600 öffentlich auf dem Campo di Fiori in Rom verbrannt wurde.

Ein derartiges Schicksal blieb dem Freigeist Holl erspart. Er wurde bloß ins barocke erzbischöfliche Palais neben dem Stephansdom zitiert. „Dort bin ich gelegentlich gewesen, wenn es mit dem Chef etwas zu besprechen gab“, erinnert er sich salopp. Diese Gespräche endeten mit seiner Entlassung aus dem kirchlichen Dienst wegen „unkonventioneller Auffassung über die Entstehung des christlichen Gottesdienstes“: Bei diesem wird als Höhepunkt der Feier des Letzten Abendmahls der Herr Jesus mit seinen Jüngern vergegenwärtigt. Mit den Worten: „Nehmet und esset, mein Leib; nehmet und trinket, mein Blut.“ Was der Kirchenrebell Andersgläubigen nüchtern erläutert: „Jetzt kommt die gute Nachricht. Gegessen und getrunken wird Brot und Wein, nicht Fleisch und Blut.“

Eine Religionsauffassung, die insbesondere bei Katholiken nicht gut ankommt. „Eigentlich müssten sie eine neue Kirche gründen“, riet ihm der Kardinal bei diesem Abschiedsgespräch. Ein Rat, den Holl gleich literarisch verarbeitete. Dessen ketzerischen Gedanken zu den kirchlichen Dogmen hätten ihm früher Verbannung oder den Tod beschert. „Heute darf ich völlig gefahrlos meine Religion gründen, weil sich fast niemand mehr für sie interessiert“, zieht Holl nüchtern Bilanz. Die heutige Zeit hat die einstigen Glaubensverkünder in die Wüste geschickt. Jetzt muss eine Lösung her. Eine neue Religion. Eines ist Holl sich dabei sicher: die brauchbare Religion muss erst erfunden werden.

Wann wird man Atheist?

Die Frage, ob er an Gott glaube, setzte Holl in Verlegenheit. Gibt es eine gottlose Religiosität? Wird man zwangsläufig Atheist, sobald man den kindlichen Glauben vom „lieben Gott“ ad acta gelegt hat? Der schönste Satz der Bibel lautete für ihn: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.“ Deshalb war Holl überzeugt: „Eine davon steht für mich bereit, ab sofort. Meine bessere Hälfte und die Katzen darf ich mitnehmen“.

Wie eine derartige Religion aussehen könnte, hätte er vielleicht in dem soeben erschienen Buch „JESUS trifft BUDDHA – Das atheistische Evangelium“ gefunden. Eine Evangelienharmonie aus den ältesten verfügbaren Handschriften, vom Anonymus Karl Kolm in ein heutiges Deutsch übersetzt. In der Jesus ohne Jahwe als Gottvater und ohne Heiligem Geist auskommt. (Wodurch sich die später daraus entstandene „Kirche“ alle Trinitäts-Haarspalterei erspart hätte.) Einem Jesus, der auch keinen Anspruch erhoben hat, Gott zu sein. (Was erst später in seine Lehre hineingedichtet wurde.) Der sich – wie Buddha – lediglich als Wegweiser gesehen hat. Einen Weg, den jeder für sich zu beschreiten hat. Wie auch Holl oder Bruno ihren Weg gegangen sind.

JESUS trifft BUDDHA

Merkel und Pilatus

Aushang in Toiletten
Händewaschen – aber richtig

Wie man richtig Hände wäscht – darüber haben sich schon vor Jahren die Brüsseler Bürokraten den Kopf zerbrochen. In den Toiletten des EU-Parlaments hängen dazu ausführliche Belehrungen: Mindestens 30 Sekunden; dabei Daumen und Fingerspitzen nicht vergessen – so lautet die Devise.

Wieviel Wasser muss es sein
Händewaschen – einmal gründlich

Mit der Corona-Pandemie eroberte diese Belehrung die politische Bühne. Angela Merkel und Sebastian Kurz ermahnen ihre Landsleute, sich an dieses Gebot zu halten. Dieses wird schon den Kindern eingehämmert: Nach dem Klo und vor dem Essen – Händewaschen nicht vergessen!

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Jesus als „Agnus Dei“?

Nach jahrelanger Arbeit ist „mein“ Buch – eine viel ältere, von mir bloß redigierte Arbeit des Anonymus Karl Kolm – endlich versandfertig. Es ist ein Versuch, Jesus aus der toten Bibel ins lebendige Heute – jenseits des herkömmlichen Gottesglaubens – zurück zu holen. Eine sensationelle Rekonstruktion der Botschaften Jesus aus dem Altgriechischen und dem Syro-Aramäischen. Sie zeigt, wie der Wanderprediger wirklich tickte. Dessen sozial-pazifistisches Weltbild kommt wie jenes von Buddha ganz ohne jeglichen strafenden oder belohnenden Gott aus. Sein einziges Streben richtet sich auf inneren und äußeren Frieden:

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„Vater unser“-einmal anders

Wieder einmal ist das „Vaterunser“ in die Schlagzeilen geraten. Dem „Kurier“ ist es sogar eine kleine Leserbefragung wert. Schließlich ist es das wohl bekannteste Gebet in der westlichen Welt; selbst vielen Kirchenfernen oder Atheisten sind die Worte, die aus dem Matthäus- und dem Lukasevangelium der Bibel stammen, geläufig. Der Aufhänger der Diskussion ist die bei uns gebräuchliche Bitte „führe uns nicht in Versuchung“. Eine Übersetzung, die zuletzt auch Papst Franziskus kritisiert wurde. Hat Jesus wirklich so zu Gott gebetet?

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NERO: 2000 JAHRE VERLEUMDUNG

Domus Transitoria Nerone House in Rome

Nero – er war der erste Kaiser, „der unsere Kirche verfolgte“.  So zitiert die englische Historikerin Cathrine Nixey den Kirchenvater Eusebius in ihrem Buch „Heiliger Zorn“. In dessen „historia eccelesiastica“ schildert er die neronische Verfolgung: 

Kirchenvater Eusebius als Verleumder
Kirchenvater Eusebius

„Als Nero sich in seiner Herrschaft bereits sicher fühlte, verfiel er auf verbrecherische Ideen und rüstete sich sogar gegen die Verehrung des allmächtigen Gottes. Es liegt nicht im Plane dieser Schrift, seine Ruchlosigkeit zu beschreiben. Da viele Schriftsteller ausführliche Lebensbeschreibungen des Kaisers überliefert haben, so kann jeder, der will, hieraus das verkehrte, wahnsinnige Wesen des sonderbaren Mannes kennenlernen. Denn nachdem er Tausende von Menschen ohne allen Grund hatte beseitigen lassen, ging er in seinem Blutdurst soweit, dass er nicht einmal seine nächsten Verwandten und besten Freunde schonte, sondern sowohl seine Mutter als auch seine Brüder und seine Gattin nebst unzähligen anderen Verwandten auf verschiedene Weise hinrichten ließ, als wären sie seine eigenen oder des Staates Feinde gewesen.“

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Das Christkind kommt – aus Indien

Die drei Weisen kommen (alle Bilder Copyright Ueberreuter,Wien)

Jedes Jahr zu Weihnachten nehme ich Gerhard Haderers „Das Leben Jesus“ schmunzelnd zur Hand. Ein Büchlein, für das er wegen „Religionsbeschimpfung“ in Griechenland sechs Monate Haft kassiert hat, erst in zweiter Instanz 2005 freigesprochen wurde. Auch der damalige Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel war überzeugt, dass Österreichs Paradekarikaturist mit dieser Jesus-Erzählung „klar eine Grenze überschritten hat.“

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Heiliger Zorn

„Heiliger Zorn“ – dieser deutsche Titel ist eigentlich passender als das Original „The Darkening Age“, unter dem Catherine Nixey darlegt, „wie die frühen Christen die Antike zerstörten“. Denn bei der englischen Historikerin, die mehrere Jahre an der Cambridge University unterrichtete, merkt man, dass „heiliger Zorn“ ihre Feder geführt hat. Noch nie wurde einem Leser so kompakt vor Augen geführt, wie leicht kulturelle Errungenschaften durch Aberglauben und blinden religiösen Eifer zu zerstören sind.

Heiliger Zorn von Catherine Nixey
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Christusmord – einst & heute

Cartoon G.Glücl: Letztes Abendmahl

Welterleuchter oder Welteroberer – diese künftige Größe wurde dem Buddha bei seiner Geburt prophezeit. Ähnliches wird auch von Jesus berichtet. Nach dem Matthäus-Evangelium sollte er jedenfalls ein Herrscher werden – ein Sohn Gottes oder zumindest König der Juden. Wozu sollte sich Jesus entscheiden? Wie sehen wir das heute?

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Das Trennende und Einende

L. Bar-Ami, R.Gehring, A.Hollaender, F.Knöbl, H.Kauf, E.Aslan

Judentum, Christentum, Islam und ein, zwei Jungreligionen zum Thema „Glaubensquellen“ auf einem Podium – das war die Zielsetzung eines „Religious Roundtable“ in Wien. Mit dabei: Mag. Lior Bar-Ami, der 2017 das Amt des Gemeinderabbiners in der einzigen progressiven jüdischen Gemeinde Österreichs, Or Chadasch (Neues Licht) übernommen hat; Dr. Rudolf Gehring, der sich als „katholischer Lebensschützer“ sowie Familien-und Menschenrechtsaktivist versteht und gleichzeitig als Generalsekretär der Christlichen Partei Österreichs politisch tätig ist; Prof. Dr. Ednan Aslan, der seit 2008 als Islamforscher für islamische Religionspädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien tätig war, bis er 2019 überraschend von dieser Funktion abberufen wurde.

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JESUS trifft BUDDHA

Nirwana oder Himmelreich?

Religionsunterricht ist bis heute ein Lehrfach, das es an unseren Schulen faktisch nicht gibt. Im Unterricht wird unsere Jugend ausschließlich christlich sozialisiert – andere Religionen werden bei der Wissensvermittlung einfach ausgeblendet. Vielleicht wird es mit dem derzeit laufenden Volksbegehren „Ethik für alle“ künftig besser. Schließlich hätte ein derartiger Unterricht auch zur Jesus Lehre Interessantes zu bieten:

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Kein Tod auf Golgatha

Jesus Passion Karfreitag

Was passierte am „Karfreitag“?

Christus Gemälde im Dommuseum

Jesus Tod wird in der Bibel recht dürftig beschrieben. Nach dem Johannes Evangelium wurde der bereits tote Jesus von Soldaten erstochen. Das ist unwahrscheinlich, denn Jesus hing erst drei Stunden am Kreuz. Das ist zu kurz, um dort zu verschmachten. Anderseits war nach dem mosaischen Gesetz das Hängenlassen Gekreuzigter über Nacht verboten (5. Mose 21,22) Überdies wäre der Abnehmende als unrein vom knapp bevorstehenden Sabbat ausgeschlossen gewesen. Vielleicht haben die Soldaten doch keinen toten, sondern einen lebenden Jesus erstochen? Dieser Frage ging der deutsche Historiker Johannes Fried in dem soeben erschienenen Buch „Kein Tod auf Golgatha“ auf den Grund.

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Manifest eines atheistischen Pfarrers

Als ich meinen Blog „Jesus Fake“ startete, wurde ich zwangsläufig auch mit dem Thema Atheismus konfrontiert. Was hat Gott mit dem Glauben zu tun? Mit jenem lebendigen Glauben, den einst Jesus gepredigt hatte. Was ist eigentlich Atheismus? Damit hat sich der im Juni 2018 verstorbene holländische Pfarrer Klaas Hendrikse in seinem Buch „Glauben an einen Gott, den es nicht gibt“ als „Manifest eines atheistischen Pfarrers“ auseinandergesetzt.

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FASCHING IN WIEN

Uthoff trifft Heisenberg

Anfang Februar wurde dem rechten Künstler Andreas Gabalier im rechten München der Valentins-Orden verliehen. Oh Graus! Für seinen linken Kollegen Max Uthoff war das der Anlass, aus dem rechten München ins linke Wien zu emigrieren. Ins Stadttheater. In diesem alten Ballsaal haben um 1900 die rechten Bürger ihren Bürgerball gefeirt. Jetzt halten dort meist die Linken ihre Veranstaltungen ab. Ein Gabalier hätte an solch freien Ort – wie etwa schon in Matthias  Naskes Konzerthaus – Auftrittsverbot.

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Glaube versus Diktatur

Glaube und Heimat in der Josefstadt (Foto: Moritz Schell)

Schönherr in der Josefstadt

Es gehört viel Mut und Selbstvertrauen dazu, ein einhundert Jahre altes „Blut und Boden“ Drama in Wien auf die Bühne zu bringen. Noch dazu, wenn es um Glaubenskonflikte, Vertreibung und Enteignung geht. Und wenn dieses Werk von einem Autor wie Karl Schönherr stammt, der sich zum Nationalsozialismus  positiv geäußert hat. Das Theater in der Josefstadt hat es gewagt. Die Vorpremiere von „Glaube und Heimat“ am 13. Februar war dank der packenden Regie von Stephanie Mohr ein toller Erfolg.

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Wer hat Willi ermordet?

Ein Totenschein - sonst nichts!
Das blieb von Willi!

Mein offener Brief an den Bundespräsidenten

Am 6. Februar 2016 wurde der damals 52jährige Wiener Kaufmann Wilhelm Klinger in Senegal bestialisch ermordet. lch bin – bzw. war – ein Freund von Willi und vertrete als emeritierter Rechtsanwalt die österreichischen Hinterbliebenen. Da Willi unverheiratet blieb sind dies die in seinem Testament eingesetzten Familienmitglieder und Freunde. Diese haben seit nunmehr drei Jahren vergeblich versucht, Licht in das Dunkel dieser Ermordung zu bringen und die näheren Umstände dieses Mordes zu erfahren. Auch, ob der oder die Mörder gefunden und zur Rechenschaft gezogen wurden.

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Zeig mir deine Wunde

Wiener Dommuseum 2019

Die Verletzlichkeit der menschlichen Kreatur – das ist das Thema einer Ausstellung, die noch bis 25. August 2019 im Wiener Dom Museum zu sehen ist. Im Zentrum steht – nahe liegenderweise – Jesus.

Pieta

Wie sehr seine Leiden den Künstlern vergangener Jahrhunderte zu Herzen gingen, wurde in derart geballter Form bisher noch nie präsentiert. Im Vergleich sind die parallel dazu gezeigten abstrakten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts saft- und kraftlos. Trotz aller Bemühungen der Kuratoren Johanna Schwanberg und Christian Sturminger, die Gleichwertigkeit der Exponate erfassbar zu machen.

 

 Die Bilder signalisieren: Die vielfach unbekannten Schöpfer dieser Kunstwerke glauben die Erzählungen, die sie hunderte Jahre nach den tatsächlichen Ereignissen in Bildern und Skulpturen darzustellen versuchen.

Kruzifixus 18.Jhdt

Es gibt nur wenige Darstellungen des gekreuzigten Christus, welche die Qualen der erlittenen Passion so drastisch schildern, wie sie ein hölzerner Kruzifixus von Anfang des 18. Jahrhunderts zeigt. Der Leib des Gekreuzigten – aus dem Museum Schnütgen in Köln – ist über und über mit klaffenden Wunden in unterschiedlicher Größe übersät. Teilweise sind sie so tief, dass Gelenke und Rippenbögen sichtbar werden.

Wopfinger Pieta

Die „Wopfinger Pieta“ (1420-1430) ist eine Holzskulptur mit Maria und dem Leichnam Jesus, die in berührender Weise das Leiden jeder Mutter beim Tod ihres Kindes zum Ausdruck bringt.

Der ungläubige Thomas

Und der ungläubige Thomas hat tatsächlich jene Wunden betastet, die Jesus – nach seiner Wiederkunft bereits als strahlender Messias – bei seinem Martyrium erleiden musste.

Giovanni Giuliani 1695

Neben Jesus gibt es eine Vielzahl von Märtyrern, deren Lebensgeschichten den Künstlern reichlich Stoff für ihre Bilder geboten haben. Etwa für den venezianischen Bildhauer Giovanni Giulani im Jahr 1695. Sein Heiliger Sebastian zeigt einen lockigen Jüngling, der wegen seines christlichen Glaubens auf Befehl des römischen Kaisers Diokletian von numidischen Bogenschützen hingerichtet werden sollte.

Märtyrer

Besonders krass werden solche Geschichten, wenn gleich drei enthauptete Heilige ihre Köpfe wie Gaben der Christenheit darbringen.

Hitler statt Jesus

Gezeigt wird auch ein Altarbild, auf dem Jesus 1938 von randalierenden Jung-Nazis durchlöchert wurde. Die sich Hitler statt Jesus als Führer auserkoren hatten. Diese Zeit ist überwunden. Es gibt keinen Führer mehr. Das spiegelt sich auch in der Kunst.

Eine Heilige Sebastian

Mit einem fast faschistischen Zwang zur Demokratisierung der Kunst: Alles ist Kunst, jeder ist Künstler. Das führt dazu, dass Kunstwerke nicht welthaltig und kunstvoll sind, sondern oft nur der ungefilterte Ausfluss eines irrelevanten, meist leidenden Ichs.

Die eigene Verletzlichkeit

Die eigene Verletzlichkeit der Künstler steht daher – völlig außerhalb der christlichen Religion – im Vordergrund. „Angst essen Seele auf“ – diese Erkenntnis hat sich Katrina Daschner 2006 auf ihren rechten Arm eintätowiert. Von Louise Bourgeois stammt die Ste, Sebastienne aus 1992. Ein Selbstportrait, mit dem die Künstlerin die Anfeindung von außen und die daraus resultierende Angst und Kopflosigkeit darzustellen versucht. Bei Günter Brus „Heller Wahnsinn“ spielt das Sichverletzbarmachen im Sinn des Sichöffnens für andere Individuen die zentrale Rolle – was er direkt an sich ausprobiert hat.

Nitsch mit viel Blut

Und bei Hermann Nitsch hat das Blut als Stilmittel die gestalterischen Aufgaben des Künstlers übernommen. Jesus ist im 20. Jahrhundert offenbar vom Kreuz verschwunden. Sein Kampf und sein Leiden haben als Narrativ ausgedient. Er ist es nicht mehr wert, künstlerisch umgesetzt zu werden. Er inspiriert kaum einen, sich ihm in Kunstwerken zu nähern. Die Ausstellung zeigt deutlich: Die Spiritualität wurde den Esoterikern überlassen. Jesus wurde durch Sigmund Freud verdrängt.

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RELOTIUS – der Gesalbte

Thora Rolle

Claas Relotius, Hamburg Media School

Claas Relotius: Sein offenbar latinisierter Name – „lutare“ … schmieren, salben – hat möglicherweise seinen Berufsweg geprägt. Gesalbt mit zahlreichen Journalistenpreisen hat der „Spiegel“ – Redakteur den Begriff „fake news“ wieder einmal in aller Munde gebracht. Die Aufregung darüber ist allerdings Heuchelei. Denn der österreichische Schriftsteller und politische EU-Propagandist Robert Menasse bewies uns mit seiner Erfindung von Zitaten, wie subtil der Begriff der „Wahrheit“ ist.

 

Er legt Walter Hallstein, dem Gründungspräsidenten der EWG,

Walter Hallstein, EWG-Gründungspräsident

Worte in den Mund, die dieser nie gesagt hat. Die er aber aus der Sicht Menasses so gesagt haben sollte. Zitate, die von Menasse – Epigonen als Hallstein’sche „Originale“ weiter verbreitet wurden. Es ist Menasses „sinnliche Gewissheit“, die ihn dazu berechtigt: Die Quelle ist korrekt. Der Sinn ist korrekt. Die Wahrheit ist belegbar. Was fehlt, ist das Geringste: das Wortwörtliche. So wurde Menasse zumindest zuletzt in zahlreichen Medien zitiert. Und auf Zitate sollte man sich verlassen können.

Sinnliche Gewissheit

„Was kümmert mich das Wörtliche, wenn es mir um den Sinn geht.“ Diese „sinnliche Gewissheit“ ist beim deutschen Philosophen Georg W.F. Hegel jene geistige Naivität, der noch die Komplikationen gezielter „Was-Fragen“ fremd ist. Erst durch dieses Hinterfragen macht das Bewusstsein die Erfahrung, dass Wahrheit nicht im jeweils subjektiven Jetzt zu finden ist. Es sind dafür Unterscheidungsgesichtspunkte der Reflexion erforderlich, denn schon das trivialste Bewusstsein erhebt den Anspruch, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Menasse ist bei der Kreation seiner Zitate überzeugt, im Besitz der „wahren Worte“ Hallsteins zu sein. Dafür, dass Hallstein diese „Wahrheit“ nicht so klar artikuliert hat, dafür kann er nichts.

Phänomenologie des Geistes

Er negiert, dass mit Hilfe der Dialektik widersprüchliche Absolutheitsansprüche gegenüber zu stellen sind: Erst dieser Weg der Erfahrung hat zur Folge, dass das eigene subjektive Bewusstsein seine Auffassung von der Wahrheit ständig korrigieren muss, wenn es nicht mit sich selbst in Widerspruch geraten will. Diese mühevolle Entwicklung führt in Hegels „Phänomenologie des Geistes“ von der ursprünglich-primitiven „sinnlichen Gewissheit“ des menschlichen Bewusstseins zum allumfassenden Geist als höchste Stufe der Wahrheit. Jener „absolute Geist“, der die Gegensätze von Subjekt und Objekt, Denken und Sein aufhebt. Der das Wesen des Endlichen im Unendlichen erkennt. Wie viel einfacher und praktischer ist es somit, mit „sinnlicher Gewissheit“ Fakes zu produzieren. Die hat es schon vor zweitausend Jahren bei der Niederschrift der Evangelien gegeben. Deren Autoren übersetzten Jesus Worte jeweils so, wie diese aus ihrer jeweiligen Sicht sein sollten. Propagandawerke, um mit diesen für ihren neuen Glauben neue Anhänger zu gewinnen.

Robert Menasse, österreichischer Publizist

Nach Menasses Motto: „Die Quelle ist korrekt. Die Wahrheit ist belegbar. Was kümmert mich das Wörtliche, wenn es um den Sinn geht.“ Der jeweils Zitierte kann sich gegen diese Methode nach seinem Tod nicht mehr wehren. Hallstein nicht. Auch Jesus nicht, dessen revolutionäres Wirken gegen das Establishment zwei bis drei Jahrhunderte später mit dem Weltbild der um Macht ringenden neuen christlichen Kirchen nicht vereinbar war. Die ursprünglichen Texte zeigen seine Mission, die Menschen vom Jenseitsglauben und Fremdbestimmung – sei es durch die Natur, Gott, Gesetz oder die eigenen Vergangenheit – zu befreien. Die Unterdrückung anderer – äußerlich oder innerlich – verkörperte für ihn das Böse. Nur dem es gelingt, sich immer weiter von diesem Zustand zu entfernen, sein individuelles Gewissen durch Selbsterkenntnis weiter zu entwickeln, wird wirklich frei. Der lebt neu, ein zweites, drittes oder x-tes Leben.

Diese völlig neue Vorstellung einer „Auferstehung“ konnten auch seine Anhänger nicht erfassen. Sie haben seine Idee der Selbstbestimmung gründlich missverstanden und daraus eine „Auferstehung des Leibes“ gemacht. Sein Tod wurde zum Blutopfer zur Tilgung der Sünden der Welt. Das Buch „Jesus Fake“ zeigt, wie uns die neuen „Kirchenväter“ einen „verklärten“ Jesus bescherten. Als seine syro-aramäischen Predigten

Biblische Fälschungen im Neuen Testament

in fremde Sprachgebiete getragen wurden, übersetzte man sie ins Griechische – die allgemein verständliche Amtssprache des östlichen Mittelmeers. Dies tat nach dem Zeugnis des Kirchenvaters Papias jeder „so gut er es vermochte“. So wurden in „sinnlicher Gewissheit“ die Evangelien schon in Frühzeiten verfälscht. Für einen „revolutionären“ Jesus gab es in einer autoritären Staatskirche unter dem Schirm des Kaisers keinen Bedarf mehr. Er wurde aus den Schriften verbannt. Frühere Aufzeichnungen wurden als herätisch – vom „wahren“ Glauben abweichend – verbrannt. Nur die Fakes sind uns geblieben.

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Feierte Jesus Geburtstag?

Wann wurde Jesus geboren? 

 

Bruegel d.Ältere, Kunsthistorisches Museum

Eine Reise nach Bethlehem, Hirten auf dem Felde und ein Engel mit himmlischen Heer, der die Geburt des Messias verkündet. Aber nirgends wird dazu eine Feier erwähnt. Dieser Brauch wurde erst 300 Jahre nach seinem Tod eingeführt. Kannte man vor zweitausend Jahren noch keine Geburtstagsfeiern? Im Alten Testament werden derartige Feste jedenfalls am Rande erwähnt. Etwa im Buche Hiob (1,4.13): „Reihum hielten seine Söhne ein Gastmahl, jeder an seinem Tage in seinem Haus. Dann schickten sie hin und luden auch ihre Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.“

Auch im Neuen Testament kommt bei Mathäus (14.6) eine derartige Geburtstagsparty vor: „Als der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen…..“ Eine Geschichte, die bekanntermaßen für Johannes dem Täufer nicht gut ausgegangen ist.

Bei den alten Römern wurde am Geburtstag dem Genius des männlichen oder der Iuno des weiblichen Geburtstagskindes am Hausaltar (Lararium) ein kleines Opferbrot (Libum), Wein und Weihrauch geopfert. Als Geister der Ahnen, die man auch sonst um Rat und Hilfe bat. Die über jeden Menschen wachen – ähnlich unseren heutigen Schutzengeln.

Zu ihren Ehren wurde eine kleine Öllampe oder eine Kerze entzündet – als Danksagung für den bisherigen Schutz. Freunde kamen zum Fest ,die Geschenke brachten.  Und die Geniusstatue wurde mit einem kleinen Kranz geschmückt. Mit der uns von Ovid in seinen Trauerliedern (Tristia 3,13) überlieferten Bitte, „dass sich dieser Tag noch oft wiederholen möge“. Was uns in dem Trinkspruch „ad multos annos“ bis heute erhalten blieb.

In Jesus Umfeld waren die Geburtstagsfeiern Ehrentage der ganzen Familie. Die Eltern dankten Gott, dass er ihnen ein weiteres Mitglied geschenkt hat. Und das Geburtstagskind in Jerusalem dankt bis heute zur Mizwa – Feier Jahwe, mit dem Geschenk des Lebens betraut worden zu sein.

Mit Jesus Geburt lässt sich das schwer in Einklang bringen. Hätte Jesus – als Sohn Gottes – seinem Vater für seine Geburt danken sollen?

Jesus Geburt, Dom Museum Wien

Ihm danken, dass er ihn in den Leib Marias verpflanzt hat, um ihn nach einer ärmlichen Geburt am Ende seiner irdischen Mission am Kreuze sterben zu lassen? Dazu passte eher das heilige Buch Kohelet (Prediger 7,1): „Besser ein guter Name als Parfum – und der Tag des Todes als der Tag einer Geburt. …Weil dies das Ende jedes Menschen ist, macht, wer noch lebt, sich Gedanken“.

Dass die zu bekehrenden „Heiden“ sich damit nicht anfreunden konnten, ist verständlich. Für sie war die Geburt eines Gottes ein Festtag. Jungfräuliche Geburten kannten sie auch aus vielen anderen Mythologien und Religionen. Buddhas Geburt basiert auf einem himmlischen Strahl, der in den Leib der schlafenden Jungfrau eindrang, worauf die Ankunft eines wunderbaren Kindes vorausgesagt wurde. Der persische Sonnengott Mithras wurde zur Wintersonnenwende geboren und wurde dies am 25. Dezember gefeiert. Sein persisches Pendant Zoroaster soll in Unschuld von einer Jungfrau durch einen Strahl der göttlichen Vernunft (Logos) zur Erde gekommen sein. Nach dem ägyptisch-griechischen Osiris/Dionysos Mythos soll der Mensch geborene Gott und Erlöser der Menschheit am 25. Dezember von einer Jungfrau geboren worden sein.

Karl Kolm verweist in dem in Kürze erscheinenden „Jesus Fake“ darauf, dass die Geburt Jesus mit dem Verständnis seines Wirkens nichts zu tun hat. Das Fest wurde lediglich dazu eingeführt, um die heidnischen Massen von dem damals populärsten Fest zur Geburt Mithras – der unbesiegbare Sonne – abzulenken. So wurde für die Heidenchristen aus Mithras nunmehr Jesus. Dem Eroberer der Finsternis – mit dem am 25. Dezember das Licht in die Welt gekommen ist. Deshalb stoßen sich Judenchristen heute noch an den heidnischen Wurzeln unserer „Weihnachten“.

Jesus und Maria in der Krippe

Weil Jesus die Apostel angewiesen hat, seines Todes und – nicht seiner Geburt – zu gedenken. Sie sind nur bereit, die alten Feste des Alten Testaments zu feiern. Die Gott höchstpersönlich  angeordnet hat. Für sie gibt es deshalb keine Weihnachtsfeiern. Für mich ist das lediglich ein Zeichen, dass sie die Worte Jesus bis heute nicht verstanden haben.

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Armer Nikolaus

Der 6. Dezember ist nicht nur mein Geburtstag, sondern auch das Fest des heiligen Nicolaos.

San Nicolo dei Mendicoli, Venezia

(Obwohl mir gelegentlich vorgeworfen wird, dass ich kein Nikolo sondern eher ein Krampus sei.) JenerSankt Nikolaus, der möglicherweise am 6. Dezember 326 gestorben ist und als Bischof von Myra (heute: Demre) im römischen Reich das frühe Christentum propagierte. Dem neben zahlreichen Wundern und Totenerweckungen auch spektakuläre Wohltaten nachgesagt werden.

 

Bis heute ist er der weltweit populärste Heilige: Er wurde Schutzpatron

Heiliger Nikolaus, Schutzpatron der Russen, Serben und Kroaten
Nikolaus – Schutzpatron der Seefahrer.  Foto: Wikipedia

der Russen, Kroaten und Serben, zahlreicher Regionen, Städte und Berufe – u.a. der Seefahrer, Kaufleute und Rechtsanwälte.

Doch es gibt einen anderen – wenig erfreulichen – Anknüpfungspunkt zur Gegenwart: Die Christenverfolgung. Denn Nikolaus soll wegen seines christlichen Glaubens in jungen Jahren unter Kaiser Diokletian verfolgt und gefoltert worden sein.

Heiliger Nikolaus, verehrt von allen!  Christen

Das ist durchaus möglich, denn die anatolische Mittelmeerküste war das Kernland des frühen Christentums – das sich trotz des Islams dort bis zum Ende des Osmanischen Reiches gehalten hat. Erst dann war damit Schluss.

Pech für die Türken

Denn die „Türken“ hatten das Pech, im Ersten Weltkrieg als Bündnispartner von Österreich und Deutschland auf der Verliererseite zu stehen. Das noch junge griechische Königreich – es konnte sich erst 1830 von der osmanischen Vorherrschaft befreien – hatte sich noch rechtzeitig Mitte 1917 der Entente angeschlossen. Auf Grund des Versprechens der späteren Sieger, dafür zur Wiedergeburt eines großen nationalen Königsreichs mit den „griechischen“ Teilen Kleinasiens, einschließlich einiger Inseln sowie Istanbul und Smyrna (Izmir) belohnt zu werden.

England und Frankreich hatten nämlich bereits während des Kriegs überlegt, wie sie den aufkeimenden Nationalismus im Krieg nutzen und danach das Osmanische Reich in mehrere neue – der Entente nahestehende – Nationalstaaten aufteilen können. Ähnliche Versprechen auf selbständige Staatsgründungen wurden deshalb den Armeniern und Kurden des Osmanenreiches gemacht. Damit war mit dem Ende des Weltkriegs bereits der Grundstein für den daran anschließenden griechisch-türkischen Krieg gelegt. Den Griechen wurden die zugesagten Gebiete „zur Verwaltung“ überlassen, Konstantinopel und Smyrna

Griechische Truppen in Smyrna

in eine britische, französische und italienische Besatzungszone aufgeteilt. Mit der Zusage der Entente, dass die von der Hohen Pforte befreiten Völker nach fünf Jahren selbst mittels Volksabstimmungen „demokratisch“ über ihre Zukunft bestimmen dürfen.

Doch es kam alles anders als geplant. Auch bei den Verlierern gab es nationale Strömungen, die das Ende der Türkei so nicht akzeptieren wollten.

Kemal Atatürk

Aus den Aufständen gegen die Besatzer wurde ein regelrechter Krieg. Die den christlichen Armeniern vorgeworfene Unterstützung des russischen Feindes wurde in Kombination mit dem Vordringen griechisch-orthodoxer Truppen von den „Jungtürken“ als Bedrohung des ihnen vorschwebenden neuen türkischen Reiches gesehen. Die ursprünglich erfolgreichen Griechen wurden vom neuen Führer Mustafa Kemal Atatürk, dem Vater der modernen Türkei,  1923 vernichtend geschlagen wurden.

Pech für die Griechen

Schon im September 1922 wurden bei der Eroberung von Smyrna 40.000 Armenier und Griechen umgebracht. Dem folgte die erste große „Umvolkung“ des 20. Jahrhunderts: Der Zwangsaussiedlung von 1,25 Millionen „Griechen“ in Richtung Westen stand jene von 500.000 „Türken“ in die neue Türkei gegenüber. Wobei die Unterscheidung in „Griechen“ und „Türken“ nicht nach ethnischer Abstammung, sondern nur nach Religionszugehörigkeit erfolgte.

Das mehrheitlich christlich bewohnte Konstantinopel wurde zum neuen Istanbul, in dem nur noch eine ganz kleine christliche Gemeinde zu finden ist. Die christlichen Hochburgen der Spätantike verwandelten sich in anatolsche Sehenswürdigkeiten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es keine Völker mehr, sondern nur noch Staaten. Es gibt auch keine Völkergemeinschaft, sondern nur eine Staatengemeinschaft. Daher gibt es auch keine „Umvolkung“ mehr. Die Zuordnung erfolgt nach Religionsgemeinschaften. Verfolgungen resultieren nicht mehr aus einer Stammes- oder Rassenzugehörigkeit, sondern auf Grund unterschiedlicher religiöser Überzeugungen.

Pech für Nikolaus

Weihnachtsmann mit Rauschebart

49 Mitgliedsländer der UNO haben eine muslimische Bevölkerungsmehrheit. In vielen gilt die Scharia als Zivilrecht, in manchen auch als Strafrecht. Dort steht auf Blasphemie die Todesstrafe.

Wie vor 500 Jahren in Europa, als es keine Trennung von Staat und Kirche gab. Heute – wie in den Jugendjahren des Priesters Nicolaos –   sind es vor allem Christen, die da verfolgt werden. Was einem an seinem Todestag nachdenklich stimmen sollte.

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100 Jahre Republik

Vor Weihnachten flammt immer wieder die Diskussion um die „Geschichtlichkeit“ von Jesus Geburt auf. Ob, wann und wo wurde er geboren? War es tatsächlich das Jahr Null – oder doch etwas früher oder später? Lässt sich aus dem Kometen, der die drei Weisen aus dem Morgenland in wunderbarer Weise nach Bethlehem geleitet hat, ein exaktes Datum ermitteln?

Bei der angeblichen Historizität von Ereignissen wird ausgeklammert, dass es sich dabei immer nur um Geschichts-Erzählungen handelt. Um Propaganda, mit welchen deren Autoren Ereignisse uminterpretieren. Mit der Tatsachen verschwiegen und neue hinzu gedichtet werden. So kommt es zur Geburt Jesus am 24. Dezember. So kommt es zu der von Kanzler Sebastian Kurz propagierten Geburt der Republik Österreich am 12. November 2018, mit der auch die „Nation Österreich“ aus der Taufe gehoben wurde.

NÖ Landhaus in Wien

Tatsächlich erfolgte bereits am 21.Oktober 1918 die Proklamation Deutschösterreichs durch die provisorische Nationalversammlung im niederösterreichischen Landhaus. Sie beanspruchte auch alle deutsch bewohnten Gebiete Böhmens und Mährens, in der 3,5 Millionen deutsche Bürger zu Deutschösterreich wollten. Am 30.10.1918 folgte dann vom Balkon des Landhauses aus die feierliche Verkündung der Gründung des Staates „Deutschösterreich“. Auch über die Staatsform war man sich bereits einig.Viktor Adler erklärte: „Wir werden dafür kämpfen, dass der deutschösterreichische Staat zu einer demokratischen Republik werde.“

Victor Adler 1870

Eine Republik, die eigentlich keiner wollte: Weder die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, die das deutsche Kaiserreich und die Habsburger-Monarchie filetierten. Welche die Wünsche der neuen Republik nach einer Selbstbestimmung aller Deutschen des ehemaligen Habsburgerreiches ignorierten. Welche die Bildung junger und daher schwacher slawischer Nationalstaaten an Stelle eines starken Deutsch- Österreichs forcierten. Die für die südliche Steiermark, das südliche Kärnten, Südtirol sowie Böhmen und Mähren schon ganz andere Pläne hatten. Denen bei dieser Zerstückelung das deutsche Österreich einfach übrig geblieben ist.

Dichtung und Wahrheit

Für die rechte Volkspartei war dies kein Grund zum Feiern, weil es sich bei dieser „Geburt“ um eine kommunistische Revolution gehandelt hat. Und die linken Sozialisten mussten verschweigen, dass ihr langjähriges Idol

Dr. Karl Renner 1905

Dr. Karl Renner – Jahre später der Präsident der zweiten Republik – nicht Österreich, sondern Deutsch-Österreich aus der Taufe gehoben hatte. Wohl erkennend, dass nur eine europaweite sozialistische Revolution zur Vereinigung der aufgezwungenen Zerstückelung der deutschen Reste Österreichs und Deutschlands führen könnte. Die angestrebte Revision des Diktates des „Friedensvertrages“ von Saint-Germain, der bereits zwanzig Jahre später zum nächsten Weltkrieg und zur Hitler-Diktatur führte.

Bei den pompösen Republik-Feierlichkeiten wurde das am 12. November 2018 jubelnde Volk vor dem Parlament, geschmückt mit wehender rot-weiß-roter Fahne, gezeigt. Denn jeder weiß: ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Peinlichst verschwiegen wurde die Forderung des

Otto Bauer, Austromarxist

Austromarxisten Otto Bauer, Deutschösterreich „dem großen roten Deutschland einzugliedern“. Festgeschrieben in Artikel 2 des einstimmig angenommenen Gesetzes: „Österreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik“. Unerwähnt blieb, dass kurz danach Rote Garden diese Fahnen vom Parlamentsmast rissen, um sie durch die roten Fahnen der kommunistischen Revolution zu ersetzen. Ein Putschversuch, bei dem zwei Tote zurück blieben. Unter den Teppich gekehrt wurde Renners inoffizielle Hymne der ersten Republik: „Deutsch-Österreich, du herrliches Land …“

Renners National-Hymne

All dies zu erwähnen könnte schließlich Wasser auf den Mühlen der „Rechtspopulisten“ sein. Angesichts dieser Deutungsunterschiede der erst 100 Jahre zurück liegenden Ereignisse lässt sich leicht vorstellen, wie es um die „Geschichtlichkeit“ von Jesus Geburt steht. Eine Erzählung, die dem Bedürfnis frühchristlicher Juden nach einer wunderbaren Geburt ihres Erlösers entsprochen hat. Die es aber Milliarden von Menschen ermöglicht, auch 2018 ein fröhliches Weihnachtsfest zu feiern. Unabhängig davon, was verschiedene Kirchen in dieses Ereignis hinein interpretieren.

In dem in Kürze erscheinenden „Jesus Fake“

Jan Fabre – Schlangenskelett

wurden die Geburt Jesus und all die Märchen über seine Jugend komplett aus seiner „Historie“ gestrichen. Denn wir sollten uns nur darauf konzentrieren, was er uns selbst gelehrt hat. Und nicht, was er in den Windeln – oder in die Windeln – gemacht hat. In diesem Sinne können wir auch in Zukunft Österreich ganz ohne strittige Geburtsstunde und Geburtsmythen im Sinne Renners als friedliche deutsche Heimat feiern.