Manifest eines atheistischen Pfarrers

Als ich meinen Blog „Jesus Fake“ startete, wurde ich zwangsläufig auch mit dem Thema Atheismus konfrontiert. Was hat Gott mit dem Glauben zu tun? Mit jenem lebendigen Glauben, den einst Jesus gepredigt hatte. Was ist eigentlich Atheismus? Damit hat sich der im Juni 2018 verstorbene holländische Pfarrer Klaas Hendrikse in seinem Buch „Glauben an einen Gott, den es nicht gibt“ als „Manifest eines atheistischen Pfarrers“ auseinandergesetzt.

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FASCHING IN WIEN

Uthoff trifft Heisenberg

Anfang Februar wurde dem rechten Künstler Andreas Gabalier im rechten München der Valentins-Orden verliehen. Oh Graus! Für seinen linken Kollegen Max Uthoff war das der Anlass, aus dem rechten München ins linke Wien zu emigrieren. Ins Stadttheater. In diesem alten Ballsaal haben um 1900 die rechten Bürger ihren Bürgerball gefeirt. Jetzt halten dort meist die Linken ihre Veranstaltungen ab. Ein Gabalier hätte an solch freien Ort – wie etwa schon in Matthias  Naskes Konzerthaus – Auftrittsverbot.

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Glaube versus Diktatur

Glaube und Heimat in der Josefstadt (Foto: Moritz Schell)

Schönherr in der Josefstadt

Es gehört viel Mut und Selbstvertrauen dazu, ein einhundert Jahre altes „Blut und Boden“ Drama in Wien auf die Bühne zu bringen. Noch dazu, wenn es um Glaubenskonflikte, Vertreibung und Enteignung geht. Und wenn dieses Werk von einem Autor wie Karl Schönherr stammt, der sich zum Nationalsozialismus  positiv geäußert hat. Das Theater in der Josefstadt hat es gewagt. Die Vorpremiere von „Glaube und Heimat“ am 13. Februar war dank der packenden Regie von Stephanie Mohr ein toller Erfolg.

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Wer hat Willi ermordet?

Ein Totenschein - sonst nichts!
Das blieb von Willi!

Mein offener Brief an den Bundespräsidenten

Am 6. Februar 2016 wurde der damals 52jährige Wiener Kaufmann Wilhelm Klinger in Senegal bestialisch ermordet. lch bin – bzw. war – ein Freund von Willi und vertrete als emeritierter Rechtsanwalt die österreichischen Hinterbliebenen. Da Willi unverheiratet blieb sind dies die in seinem Testament eingesetzten Familienmitglieder und Freunde. Diese haben seit nunmehr drei Jahren vergeblich versucht, Licht in das Dunkel dieser Ermordung zu bringen und die näheren Umstände dieses Mordes zu erfahren. Auch, ob der oder die Mörder gefunden und zur Rechenschaft gezogen wurden.

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Zeig mir deine Wunde

Wiener Dommuseum 2019

Die Verletzlichkeit der menschlichen Kreatur – das ist das Thema einer Ausstellung, die noch bis 25. August 2019 im Wiener Dom Museum zu sehen ist. Im Zentrum steht – nahe liegenderweise – Jesus.

Pieta

Wie sehr seine Leiden den Künstlern vergangener Jahrhunderte zu Herzen gingen, wurde in derart geballter Form bisher noch nie präsentiert. Im Vergleich sind die parallel dazu gezeigten abstrakten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts saft- und kraftlos. Trotz aller Bemühungen der Kuratoren Johanna Schwanberg und Christian Sturminger, die Gleichwertigkeit der Exponate erfassbar zu machen.

 

 Die Bilder signalisieren: Die vielfach unbekannten Schöpfer dieser Kunstwerke glauben die Erzählungen, die sie hunderte Jahre nach den tatsächlichen Ereignissen in Bildern und Skulpturen darzustellen versuchen.

Kruzifixus 18.Jhdt

Es gibt nur wenige Darstellungen des gekreuzigten Christus, welche die Qualen der erlittenen Passion so drastisch schildern, wie sie ein hölzerner Kruzifixus von Anfang des 18. Jahrhunderts zeigt. Der Leib des Gekreuzigten – aus dem Museum Schnütgen in Köln – ist über und über mit klaffenden Wunden in unterschiedlicher Größe übersät. Teilweise sind sie so tief, dass Gelenke und Rippenbögen sichtbar werden.

Wopfinger Pieta

Die „Wopfinger Pieta“ (1420-1430) ist eine Holzskulptur mit Maria und dem Leichnam Jesus, die in berührender Weise das Leiden jeder Mutter beim Tod ihres Kindes zum Ausdruck bringt.

Der ungläubige Thomas

Und der ungläubige Thomas hat tatsächlich jene Wunden betastet, die Jesus – nach seiner Wiederkunft bereits als strahlender Messias – bei seinem Martyrium erleiden musste.

Giovanni Giuliani 1695

Neben Jesus gibt es eine Vielzahl von Märtyrern, deren Lebensgeschichten den Künstlern reichlich Stoff für ihre Bilder geboten haben. Etwa für den venezianischen Bildhauer Giovanni Giulani im Jahr 1695. Sein Heiliger Sebastian zeigt einen lockigen Jüngling, der wegen seines christlichen Glaubens auf Befehl des römischen Kaisers Diokletian von numidischen Bogenschützen hingerichtet werden sollte.

Märtyrer

Besonders krass werden solche Geschichten, wenn gleich drei enthauptete Heilige ihre Köpfe wie Gaben der Christenheit darbringen.

Hitler statt Jesus

Gezeigt wird auch ein Altarbild, auf dem Jesus 1938 von randalierenden Jung-Nazis durchlöchert wurde. Die sich Hitler statt Jesus als Führer auserkoren hatten. Diese Zeit ist überwunden. Es gibt keinen Führer mehr. Das spiegelt sich auch in der Kunst.

Eine Heilige Sebastian

Mit einem fast faschistischen Zwang zur Demokratisierung der Kunst: Alles ist Kunst, jeder ist Künstler. Das führt dazu, dass Kunstwerke nicht welthaltig und kunstvoll sind, sondern oft nur der ungefilterte Ausfluss eines irrelevanten, meist leidenden Ichs.

Die eigene Verletzlichkeit

Die eigene Verletzlichkeit der Künstler steht daher – völlig außerhalb der christlichen Religion – im Vordergrund. „Angst essen Seele auf“ – diese Erkenntnis hat sich Katrina Daschner 2006 auf ihren rechten Arm eintätowiert. Von Louise Bourgeois stammt die Ste, Sebastienne aus 1992. Ein Selbstportrait, mit dem die Künstlerin die Anfeindung von außen und die daraus resultierende Angst und Kopflosigkeit darzustellen versucht. Bei Günter Brus „Heller Wahnsinn“ spielt das Sichverletzbarmachen im Sinn des Sichöffnens für andere Individuen die zentrale Rolle – was er direkt an sich ausprobiert hat.

Nitsch mit viel Blut

Und bei Hermann Nitsch hat das Blut als Stilmittel die gestalterischen Aufgaben des Künstlers übernommen. Jesus ist im 20. Jahrhundert offenbar vom Kreuz verschwunden. Sein Kampf und sein Leiden haben als Narrativ ausgedient. Er ist es nicht mehr wert, künstlerisch umgesetzt zu werden. Er inspiriert kaum einen, sich ihm in Kunstwerken zu nähern. Die Ausstellung zeigt deutlich: Die Spiritualität wurde den Esoterikern überlassen. Jesus wurde durch Sigmund Freud verdrängt.

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RELOTIUS – der Gesalbte

Thora Rolle

Claas Relotius, Hamburg Media School

Claas Relotius: Sein offenbar latinisierter Name – „lutare“ … schmieren, salben – hat möglicherweise seinen Berufsweg geprägt. Gesalbt mit zahlreichen Journalistenpreisen hat der „Spiegel“ – Redakteur den Begriff „fake news“ wieder einmal in aller Munde gebracht. Die Aufregung darüber ist allerdings Heuchelei. Denn der österreichische Schriftsteller und politische EU-Propagandist Robert Menasse bewies uns mit seiner Erfindung von Zitaten, wie subtil der Begriff der „Wahrheit“ ist.

 

Er legt Walter Hallstein, dem Gründungspräsidenten der EWG,

Walter Hallstein, EWG-Gründungspräsident

Worte in den Mund, die dieser nie gesagt hat. Die er aber aus der Sicht Menasses so gesagt haben sollte. Zitate, die von Menasse – Epigonen als Hallstein’sche „Originale“ weiter verbreitet wurden. Es ist Menasses „sinnliche Gewissheit“, die ihn dazu berechtigt: Die Quelle ist korrekt. Der Sinn ist korrekt. Die Wahrheit ist belegbar. Was fehlt, ist das Geringste: das Wortwörtliche. So wurde Menasse zumindest zuletzt in zahlreichen Medien zitiert. Und auf Zitate sollte man sich verlassen können.

Sinnliche Gewissheit

„Was kümmert mich das Wörtliche, wenn es mir um den Sinn geht.“ Diese „sinnliche Gewissheit“ ist beim deutschen Philosophen Georg W.F. Hegel jene geistige Naivität, der noch die Komplikationen gezielter „Was-Fragen“ fremd ist. Erst durch dieses Hinterfragen macht das Bewusstsein die Erfahrung, dass Wahrheit nicht im jeweils subjektiven Jetzt zu finden ist. Es sind dafür Unterscheidungsgesichtspunkte der Reflexion erforderlich, denn schon das trivialste Bewusstsein erhebt den Anspruch, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Menasse ist bei der Kreation seiner Zitate überzeugt, im Besitz der „wahren Worte“ Hallsteins zu sein. Dafür, dass Hallstein diese „Wahrheit“ nicht so klar artikuliert hat, dafür kann er nichts.

Phänomenologie des Geistes

Er negiert, dass mit Hilfe der Dialektik widersprüchliche Absolutheitsansprüche gegenüber zu stellen sind: Erst dieser Weg der Erfahrung hat zur Folge, dass das eigene subjektive Bewusstsein seine Auffassung von der Wahrheit ständig korrigieren muss, wenn es nicht mit sich selbst in Widerspruch geraten will. Diese mühevolle Entwicklung führt in Hegels „Phänomenologie des Geistes“ von der ursprünglich-primitiven „sinnlichen Gewissheit“ des menschlichen Bewusstseins zum allumfassenden Geist als höchste Stufe der Wahrheit. Jener „absolute Geist“, der die Gegensätze von Subjekt und Objekt, Denken und Sein aufhebt. Der das Wesen des Endlichen im Unendlichen erkennt. Wie viel einfacher und praktischer ist es somit, mit „sinnlicher Gewissheit“ Fakes zu produzieren. Die hat es schon vor zweitausend Jahren bei der Niederschrift der Evangelien gegeben. Deren Autoren übersetzten Jesus Worte jeweils so, wie diese aus ihrer jeweiligen Sicht sein sollten. Propagandawerke, um mit diesen für ihren neuen Glauben neue Anhänger zu gewinnen.

Robert Menasse, österreichischer Publizist

Nach Menasses Motto: „Die Quelle ist korrekt. Die Wahrheit ist belegbar. Was kümmert mich das Wörtliche, wenn es um den Sinn geht.“ Der jeweils Zitierte kann sich gegen diese Methode nach seinem Tod nicht mehr wehren. Hallstein nicht. Auch Jesus nicht, dessen revolutionäres Wirken gegen das Establishment zwei bis drei Jahrhunderte später mit dem Weltbild der um Macht ringenden neuen christlichen Kirchen nicht vereinbar war. Die ursprünglichen Texte zeigen seine Mission, die Menschen vom Jenseitsglauben und Fremdbestimmung – sei es durch die Natur, Gott, Gesetz oder die eigenen Vergangenheit – zu befreien. Die Unterdrückung anderer – äußerlich oder innerlich – verkörperte für ihn das Böse. Nur dem es gelingt, sich immer weiter von diesem Zustand zu entfernen, sein individuelles Gewissen durch Selbsterkenntnis weiter zu entwickeln, wird wirklich frei. Der lebt neu, ein zweites, drittes oder x-tes Leben.

Diese völlig neue Vorstellung einer „Auferstehung“ konnten auch seine Anhänger nicht erfassen. Sie haben seine Idee der Selbstbestimmung gründlich missverstanden und daraus eine „Auferstehung des Leibes“ gemacht. Sein Tod wurde zum Blutopfer zur Tilgung der Sünden der Welt. Das Buch „Jesus Fake“ zeigt, wie uns die neuen „Kirchenväter“ einen „verklärten“ Jesus bescherten. Als seine syro-aramäischen Predigten

Biblische Fälschungen im Neuen Testament

in fremde Sprachgebiete getragen wurden, übersetzte man sie ins Griechische – die allgemein verständliche Amtssprache des östlichen Mittelmeers. Dies tat nach dem Zeugnis des Kirchenvaters Papias jeder „so gut er es vermochte“. So wurden in „sinnlicher Gewissheit“ die Evangelien schon in Frühzeiten verfälscht. Für einen „revolutionären“ Jesus gab es in einer autoritären Staatskirche unter dem Schirm des Kaisers keinen Bedarf mehr. Er wurde aus den Schriften verbannt. Frühere Aufzeichnungen wurden als herätisch – vom „wahren“ Glauben abweichend – verbrannt. Nur die Fakes sind uns geblieben.

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Feierte Jesus Geburtstag?

Wann wurde Jesus geboren? 

 

Bruegel d.Ältere, Kunsthistorisches Museum

Eine Reise nach Bethlehem, Hirten auf dem Felde und ein Engel mit himmlischen Heer, der die Geburt des Messias verkündet. Aber nirgends wird dazu eine Feier erwähnt. Dieser Brauch wurde erst 300 Jahre nach seinem Tod eingeführt. Kannte man vor zweitausend Jahren noch keine Geburtstagsfeiern? Im Alten Testament werden derartige Feste jedenfalls am Rande erwähnt. Etwa im Buche Hiob (1,4.13): „Reihum hielten seine Söhne ein Gastmahl, jeder an seinem Tage in seinem Haus. Dann schickten sie hin und luden auch ihre Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.“

Auch im Neuen Testament kommt bei Mathäus (14.6) eine derartige Geburtstagsparty vor: „Als der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen…..“ Eine Geschichte, die bekanntermaßen für Johannes dem Täufer nicht gut ausgegangen ist.

Bei den alten Römern wurde am Geburtstag dem Genius des männlichen oder der Iuno des weiblichen Geburtstagskindes am Hausaltar (Lararium) ein kleines Opferbrot (Libum), Wein und Weihrauch geopfert. Als Geister der Ahnen, die man auch sonst um Rat und Hilfe bat. Die über jeden Menschen wachen – ähnlich unseren heutigen Schutzengeln.

Zu ihren Ehren wurde eine kleine Öllampe oder eine Kerze entzündet – als Danksagung für den bisherigen Schutz. Freunde kamen zum Fest ,die Geschenke brachten.  Und die Geniusstatue wurde mit einem kleinen Kranz geschmückt. Mit der uns von Ovid in seinen Trauerliedern (Tristia 3,13) überlieferten Bitte, „dass sich dieser Tag noch oft wiederholen möge“. Was uns in dem Trinkspruch „ad multos annos“ bis heute erhalten blieb.

In Jesus Umfeld waren die Geburtstagsfeiern Ehrentage der ganzen Familie. Die Eltern dankten Gott, dass er ihnen ein weiteres Mitglied geschenkt hat. Und das Geburtstagskind in Jerusalem dankt bis heute zur Mizwa – Feier Jahwe, mit dem Geschenk des Lebens betraut worden zu sein.

Mit Jesus Geburt lässt sich das schwer in Einklang bringen. Hätte Jesus – als Sohn Gottes – seinem Vater für seine Geburt danken sollen?

Jesus Geburt, Dom Museum Wien

Ihm danken, dass er ihn in den Leib Marias verpflanzt hat, um ihn nach einer ärmlichen Geburt am Ende seiner irdischen Mission am Kreuze sterben zu lassen? Dazu passte eher das heilige Buch Kohelet (Prediger 7,1): „Besser ein guter Name als Parfum – und der Tag des Todes als der Tag einer Geburt. …Weil dies das Ende jedes Menschen ist, macht, wer noch lebt, sich Gedanken“.

Dass die zu bekehrenden „Heiden“ sich damit nicht anfreunden konnten, ist verständlich. Für sie war die Geburt eines Gottes ein Festtag. Jungfräuliche Geburten kannten sie auch aus vielen anderen Mythologien und Religionen. Buddhas Geburt basiert auf einem himmlischen Strahl, der in den Leib der schlafenden Jungfrau eindrang, worauf die Ankunft eines wunderbaren Kindes vorausgesagt wurde. Der persische Sonnengott Mithras wurde zur Wintersonnenwende geboren und wurde dies am 25. Dezember gefeiert. Sein persisches Pendant Zoroaster soll in Unschuld von einer Jungfrau durch einen Strahl der göttlichen Vernunft (Logos) zur Erde gekommen sein. Nach dem ägyptisch-griechischen Osiris/Dionysos Mythos soll der Mensch geborene Gott und Erlöser der Menschheit am 25. Dezember von einer Jungfrau geboren worden sein.

Karl Kolm verweist in dem in Kürze erscheinenden „Jesus Fake“ darauf, dass die Geburt Jesus mit dem Verständnis seines Wirkens nichts zu tun hat. Das Fest wurde lediglich dazu eingeführt, um die heidnischen Massen von dem damals populärsten Fest zur Geburt Mithras – der unbesiegbare Sonne – abzulenken. So wurde für die Heidenchristen aus Mithras nunmehr Jesus. Dem Eroberer der Finsternis – mit dem am 25. Dezember das Licht in die Welt gekommen ist. Deshalb stoßen sich Judenchristen heute noch an den heidnischen Wurzeln unserer „Weihnachten“.

Jesus und Maria in der Krippe

Weil Jesus die Apostel angewiesen hat, seines Todes und – nicht seiner Geburt – zu gedenken. Sie sind nur bereit, die alten Feste des Alten Testaments zu feiern. Die Gott höchstpersönlich  angeordnet hat. Für sie gibt es deshalb keine Weihnachtsfeiern. Für mich ist das lediglich ein Zeichen, dass sie die Worte Jesus bis heute nicht verstanden haben.

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Armer Nikolaus

Der 6. Dezember ist nicht nur mein Geburtstag, sondern auch das Fest des heiligen Nicolaos.

San Nicolo dei Mendicoli, Venezia

(Obwohl mir gelegentlich vorgeworfen wird, dass ich kein Nikolo sondern eher ein Krampus sei.) JenerSankt Nikolaus, der möglicherweise am 6. Dezember 326 gestorben ist und als Bischof von Myra (heute: Demre) im römischen Reich das frühe Christentum propagierte. Dem neben zahlreichen Wundern und Totenerweckungen auch spektakuläre Wohltaten nachgesagt werden.

 

Bis heute ist er der weltweit populärste Heilige: Er wurde Schutzpatron

Heiliger Nikolaus, Schutzpatron der Russen, Serben und Kroaten
Nikolaus – Schutzpatron der Seefahrer.  Foto: Wikipedia

der Russen, Kroaten und Serben, zahlreicher Regionen, Städte und Berufe – u.a. der Seefahrer, Kaufleute und Rechtsanwälte.

Doch es gibt einen anderen – wenig erfreulichen – Anknüpfungspunkt zur Gegenwart: Die Christenverfolgung. Denn Nikolaus soll wegen seines christlichen Glaubens in jungen Jahren unter Kaiser Diokletian verfolgt und gefoltert worden sein.

Heiliger Nikolaus, verehrt von allen!  Christen

Das ist durchaus möglich, denn die anatolische Mittelmeerküste war das Kernland des frühen Christentums – das sich trotz des Islams dort bis zum Ende des Osmanischen Reiches gehalten hat. Erst dann war damit Schluss.

Pech für die Türken

Denn die „Türken“ hatten das Pech, im Ersten Weltkrieg als Bündnispartner von Österreich und Deutschland auf der Verliererseite zu stehen. Das noch junge griechische Königreich – es konnte sich erst 1830 von der osmanischen Vorherrschaft befreien – hatte sich noch rechtzeitig Mitte 1917 der Entente angeschlossen. Auf Grund des Versprechens der späteren Sieger, dafür zur Wiedergeburt eines großen nationalen Königsreichs mit den „griechischen“ Teilen Kleinasiens, einschließlich einiger Inseln sowie Istanbul und Smyrna (Izmir) belohnt zu werden.

England und Frankreich hatten nämlich bereits während des Kriegs überlegt, wie sie den aufkeimenden Nationalismus im Krieg nutzen und danach das Osmanische Reich in mehrere neue – der Entente nahestehende – Nationalstaaten aufteilen können. Ähnliche Versprechen auf selbständige Staatsgründungen wurden deshalb den Armeniern und Kurden des Osmanenreiches gemacht. Damit war mit dem Ende des Weltkriegs bereits der Grundstein für den daran anschließenden griechisch-türkischen Krieg gelegt. Den Griechen wurden die zugesagten Gebiete „zur Verwaltung“ überlassen, Konstantinopel und Smyrna

Griechische Truppen in Smyrna

in eine britische, französische und italienische Besatzungszone aufgeteilt. Mit der Zusage der Entente, dass die von der Hohen Pforte befreiten Völker nach fünf Jahren selbst mittels Volksabstimmungen „demokratisch“ über ihre Zukunft bestimmen dürfen.

Doch es kam alles anders als geplant. Auch bei den Verlierern gab es nationale Strömungen, die das Ende der Türkei so nicht akzeptieren wollten.

Kemal Atatürk

Aus den Aufständen gegen die Besatzer wurde ein regelrechter Krieg. Die den christlichen Armeniern vorgeworfene Unterstützung des russischen Feindes wurde in Kombination mit dem Vordringen griechisch-orthodoxer Truppen von den „Jungtürken“ als Bedrohung des ihnen vorschwebenden neuen türkischen Reiches gesehen. Die ursprünglich erfolgreichen Griechen wurden vom neuen Führer Mustafa Kemal Atatürk, dem Vater der modernen Türkei,  1923 vernichtend geschlagen wurden.

Pech für die Griechen

Schon im September 1922 wurden bei der Eroberung von Smyrna 40.000 Armenier und Griechen umgebracht. Dem folgte die erste große „Umvolkung“ des 20. Jahrhunderts: Der Zwangsaussiedlung von 1,25 Millionen „Griechen“ in Richtung Westen stand jene von 500.000 „Türken“ in die neue Türkei gegenüber. Wobei die Unterscheidung in „Griechen“ und „Türken“ nicht nach ethnischer Abstammung, sondern nur nach Religionszugehörigkeit erfolgte.

Das mehrheitlich christlich bewohnte Konstantinopel wurde zum neuen Istanbul, in dem nur noch eine ganz kleine christliche Gemeinde zu finden ist. Die christlichen Hochburgen der Spätantike verwandelten sich in anatolsche Sehenswürdigkeiten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es keine Völker mehr, sondern nur noch Staaten. Es gibt auch keine Völkergemeinschaft, sondern nur eine Staatengemeinschaft. Daher gibt es auch keine „Umvolkung“ mehr. Die Zuordnung erfolgt nach Religionsgemeinschaften. Verfolgungen resultieren nicht mehr aus einer Stammes- oder Rassenzugehörigkeit, sondern auf Grund unterschiedlicher religiöser Überzeugungen.

Pech für Nikolaus

Weihnachtsmann mit Rauschebart

49 Mitgliedsländer der UNO haben eine muslimische Bevölkerungsmehrheit. In vielen gilt die Scharia als Zivilrecht, in manchen auch als Strafrecht. Dort steht auf Blasphemie die Todesstrafe.

Wie vor 500 Jahren in Europa, als es keine Trennung von Staat und Kirche gab. Heute – wie in den Jugendjahren des Priesters Nicolaos –   sind es vor allem Christen, die da verfolgt werden. Was einem an seinem Todestag nachdenklich stimmen sollte.

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100 Jahre Republik

Vor Weihnachten flammt immer wieder die Diskussion um die „Geschichtlichkeit“ von Jesus Geburt auf. Ob, wann und wo wurde er geboren? War es tatsächlich das Jahr Null – oder doch etwas früher oder später? Lässt sich aus dem Kometen, der die drei Weisen aus dem Morgenland in wunderbarer Weise nach Bethlehem geleitet hat, ein exaktes Datum ermitteln?

Bei der angeblichen Historizität von Ereignissen wird ausgeklammert, dass es sich dabei immer nur um Geschichts-Erzählungen handelt. Um Propaganda, mit welchen deren Autoren Ereignisse uminterpretieren. Mit der Tatsachen verschwiegen und neue hinzu gedichtet werden. So kommt es zur Geburt Jesus am 24. Dezember. So kommt es zu der von Kanzler Sebastian Kurz propagierten Geburt der Republik Österreich am 12. November 2018, mit der auch die „Nation Österreich“ aus der Taufe gehoben wurde.

NÖ Landhaus in Wien

Tatsächlich erfolgte bereits am 21.Oktober 1918 die Proklamation Deutschösterreichs durch die provisorische Nationalversammlung im niederösterreichischen Landhaus. Sie beanspruchte auch alle deutsch bewohnten Gebiete Böhmens und Mährens, in der 3,5 Millionen deutsche Bürger zu Deutschösterreich wollten. Am 30.10.1918 folgte dann vom Balkon des Landhauses aus die feierliche Verkündung der Gründung des Staates „Deutschösterreich“. Auch über die Staatsform war man sich bereits einig.Viktor Adler erklärte: „Wir werden dafür kämpfen, dass der deutschösterreichische Staat zu einer demokratischen Republik werde.“

Victor Adler 1870

Eine Republik, die eigentlich keiner wollte: Weder die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, die das deutsche Kaiserreich und die Habsburger-Monarchie filetierten. Welche die Wünsche der neuen Republik nach einer Selbstbestimmung aller Deutschen des ehemaligen Habsburgerreiches ignorierten. Welche die Bildung junger und daher schwacher slawischer Nationalstaaten an Stelle eines starken Deutsch- Österreichs forcierten. Die für die südliche Steiermark, das südliche Kärnten, Südtirol sowie Böhmen und Mähren schon ganz andere Pläne hatten. Denen bei dieser Zerstückelung das deutsche Österreich einfach übrig geblieben ist.

Dichtung und Wahrheit

Für die rechte Volkspartei war dies kein Grund zum Feiern, weil es sich bei dieser „Geburt“ um eine kommunistische Revolution gehandelt hat. Und die linken Sozialisten mussten verschweigen, dass ihr langjähriges Idol

Dr. Karl Renner 1905

Dr. Karl Renner – Jahre später der Präsident der zweiten Republik – nicht Österreich, sondern Deutsch-Österreich aus der Taufe gehoben hatte. Wohl erkennend, dass nur eine europaweite sozialistische Revolution zur Vereinigung der aufgezwungenen Zerstückelung der deutschen Reste Österreichs und Deutschlands führen könnte. Die angestrebte Revision des Diktates des „Friedensvertrages“ von Saint-Germain, der bereits zwanzig Jahre später zum nächsten Weltkrieg und zur Hitler-Diktatur führte.

Bei den pompösen Republik-Feierlichkeiten wurde das am 12. November 2018 jubelnde Volk vor dem Parlament, geschmückt mit wehender rot-weiß-roter Fahne, gezeigt. Denn jeder weiß: ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Peinlichst verschwiegen wurde die Forderung des

Otto Bauer, Austromarxist

Austromarxisten Otto Bauer, Deutschösterreich „dem großen roten Deutschland einzugliedern“. Festgeschrieben in Artikel 2 des einstimmig angenommenen Gesetzes: „Österreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik“. Unerwähnt blieb, dass kurz danach Rote Garden diese Fahnen vom Parlamentsmast rissen, um sie durch die roten Fahnen der kommunistischen Revolution zu ersetzen. Ein Putschversuch, bei dem zwei Tote zurück blieben. Unter den Teppich gekehrt wurde Renners inoffizielle Hymne der ersten Republik: „Deutsch-Österreich, du herrliches Land …“

Renners National-Hymne

All dies zu erwähnen könnte schließlich Wasser auf den Mühlen der „Rechtspopulisten“ sein. Angesichts dieser Deutungsunterschiede der erst 100 Jahre zurück liegenden Ereignisse lässt sich leicht vorstellen, wie es um die „Geschichtlichkeit“ von Jesus Geburt steht. Eine Erzählung, die dem Bedürfnis frühchristlicher Juden nach einer wunderbaren Geburt ihres Erlösers entsprochen hat. Die es aber Milliarden von Menschen ermöglicht, auch 2018 ein fröhliches Weihnachtsfest zu feiern. Unabhängig davon, was verschiedene Kirchen in dieses Ereignis hinein interpretieren.

In dem in Kürze erscheinenden „Jesus Fake“

Jan Fabre – Schlangenskelett

wurden die Geburt Jesus und all die Märchen über seine Jugend komplett aus seiner „Historie“ gestrichen. Denn wir sollten uns nur darauf konzentrieren, was er uns selbst gelehrt hat. Und nicht, was er in den Windeln – oder in die Windeln – gemacht hat. In diesem Sinne können wir auch in Zukunft Österreich ganz ohne strittige Geburtsstunde und Geburtsmythen im Sinne Renners als friedliche deutsche Heimat feiern.

Heiliger Severin hilf!

Spätestens seit der Sintflut muss sich die Menschheit regelmäßig mit Hochwasserkatastrophen herumschlagen.

Die Sintflut - mal heiter
Noah beim Angeln

Deshalb werden Naturgewalten meist als Plage empfunden. Insbesondere, wenn es sich um Sturm und Regen handelt. In solcher Not wird oft nach Gottes Hilfe gerufen. Davon berichtet auch der Mönch Eugippius, der im Jahre 509 die Geschichte des heiligen Severin zu Papier brachte.

Diesen wundersamen Mann hat es von Favianis, der heutigen Innenstadt von Wien, nach Quintanis verschlagen, einem römischen Kastell an der Donau. Dort, in diesem bayrischen Künzing, einige Kilometer Donau aufwärts von Passau (Castra Batavis), gibt es den Angerbach, der dem Ort bei Schlechtwetter immer wieder Hochwasser bescherte. Das setzte auch das kleine Kirchlein am Ufer unter Wasser. Deshalb hatte es statt eines festen Steinbelags nur einen einfachen Holzboden. Alles andere wurde immer wieder fortgeschwemmt.

Als Severin dies hörte befahl er: „Im Namen Christi lege man einen Estrich auf den Bretterboden. Ihr werdet sehen, dass der Fluss nunmehr auf göttliches Geheiß von hier ferngehalten werden wird.“

Heiliger Severin – Beschützer von Künzing

Als der Estrich vollendet war, schritt der Heilige mit einer Axt auf ein Schiff, betete und schlug im Wasser einen Pfosten ein. Nachdem er in diesen das ehrwürdige Kreuzzeichen eingeschnitten hatte, befahl er: „Nicht gestatte Dir mein Herr Jesus Christus fernerhin, dieses Zeichen des Kreuzes zu überschreiten“.

Was weiß Eugippius dazu noch zu berichten? „Von jener Zeit an, wenn der Fluss wie üblich anschwoll und die Umgebung überschwemmte, blieb er im Bereich der Kirche um so viel niedriger, dass er niemals mehr das Zeichen des heiligen Kreuzes, das der Mann Gottes eingeschnitten hatte, überstieg“.

Was sagt die „Osterhofer Zeitung“ zu diesem Wunder:

„Der Angerbach hat seine Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient. Dort, wo er normal fließen soll – am Ortsrand von Künzing –, fließt in der meisten Zeit, genau, gar nichts.

Das Wasser steigt – und steigt

Nur nach Regenfällen bildet sich ein Flüsschen. Und deswegen soll ein drei Meter hoher Deich um Künzing gebaut werden? Nein. Das Problem ist die Donau. In sie fließt der kleine Bach ein, wenn er denn einmal Wasser führt. Doch die Fließrichtung ändert sich, sobald die Donau zu viel Wasser führt, bedeutet: Hochwassergefahr für Künzing“

Was lernen profane Geister aus dieser frommen Erzählung? Vielleicht hätte der Heilige Severin seinen Pfosten in die Donau rammen sollen! Oder die Künzinger haben in letzter Zeit einfach zu wenig gebetet. Jedenfalls haben sie sich nicht mehr auf den heiligen Severin verlassen und 2018 mit dem Bau eines massiven Hochwasserschutzes begonnen. Und die derzeit vom Hochwasser geplagten Kärntner stehen vor der Frage: Findet sich heute noch ein Heiliger, der gesegnete Pfosten in die Drau, Möll, Lieser oder Gail schlägt und den Flüssen künftiges Hochwasser verbietet? Oder wird Beten allein künftig möglicherweise doch nicht reichen.

Allerheiligen – müssen Päpste Heilige sein?

Arlington - ein Ort des Gedenkens

Wunder sind rar geworden – dorch die Heiligen werden immer mehr. Dabei sind Wunder eine Voraussetzung zur Heiligsprechung. Mindestens eines muss dem Apostolischen Stuhl nachgewiesen werden, damit ein Kandidat vom Seligen in die Reihe der Heiligen vorrücken darf.

Johannes Paul II., 26 Papstjahre bis zur Seligsprechung

Wenn mindestens zwei Drittel der dort versammelten Theologen für die Heiligsprechung stimmen, liegt die letzte Entscheidung beim Papst. Sind alle Bedingungen erfüllt, steht der Heiligsprechung, dem Kanonisationsakt, durch den Papst nichts mehr im Wege. Zuletzt wurde 2004 die Zahl der Heiligen und Seligen – dem Martyrologium Romanum – auf 6.650 aktualisiert. Hinzu kommen noch 7.400 Märtyrer.

Am 14. Oktober 2018 hat Papst Franziskus – vulgo Jorge Mario Bergoglio – seinem Vorgänger Paul VI. mit dessen Heiligsprechung jede Wartefrist im Fegefeuer – in dem sich das gemeine Volke mangels Heiligsprechung herum tummeln muss – erspart. Wie zuvor bereits am 27.04. 2014 Karol Jozef Wojtyla – vulgo Papst Johannes Paul II., den Benedikt XVI. bereits am 1. Mai.2011 selig gesprochen hatte. In der Warteschleife befindet sich derzeit noch Papst Pius IX. (1792 – 1878), unter dessen kirchlicher Anleitung viele Juden zum Christentum bekehrt wurden. Der bereits 1907 eingeleitete Seligsprechungsprozess wurde erst von Johannes Paul II. am 3. September 2000 (gemeinsam mit der Seligsprechung von Papst Johannes XXII.) gegen heftige Proteste jüdischer Organisationen abgeschlossen. Da Pius IX. – wie auch Luther – Antisemitismus vorgeworfen wird, muss er für seine Heiligsprechung möglicherweise noch auf die Zustimmung aus Jerusalem warten.

In der christlichen Frühzeit war diese Ehre Märtyrern vorbehalten, die für ihre persönliche Aufopferung für ihren christlichen Glauben ihr Leben geopfert haben.

Hl.Martin: Zu Martini müssen bloß die Gansln dran glauben

Deren Image wurde mit Heiligsprechungen sorgsam gewahrt. Wobei die Entscheidung über diesen bedeutsamen Schritt ins Himmelreich den örtlichen kirchlichen Behörden vorbehalten war. Seit die Kirche dank Konstantin dem Großen zur Staatsreligion geworden wurde, war diese Chance zumindest im südlichen römischen Reich vorbei. Der Kirche gingen die Märtyrer aus. Bei den nördlich der Donau zu missionierenden Heiden – wie etwa wie die Sachsen, die sich partout nicht christianisieren lassen wollten – blieb aber genügend Spielraum für neue Heilige.

Mangels Martyrium blieb frommen Heiligen-Aspiranten nur die Chance, sich mit Wundern zu profilieren. Die waren in den Zeiten gläubiger Christen offenbar recht häufig. Das reichte von prophetischen Vorhersagen über göttliche Offenbarungen bis hin zu – im Alltag recht sinnvollen – Wunderheilungen. Deren Nachweis scheint etwas problematisch gewesen zu sein. Ab Beginn des zweiten Jahrtausends begehrte daher der Papst deren Überprüfung – um sich ab Gregor IX. 1234 das alleinige Recht zur Heiligsprechung vorzubehalten.

1588 wurde das Verfahren in strikte Regeln gefasst. Bis 1978 wurden nach diesem System 302 Heiligsprechungen vorgenommen. Das blieb überschaubar. Aber allein unter Johannes Paul II. waren von 1978 bis 2005 für Heilig- und Seligsprechungen 482 Wunder vonnöten. Mehr als achtzig Prozent aller Heiligen sind im 20. Jahrhundert anerkannt worden. Am 12. Mai 2013 hat Papst Franziskus bei der ersten Heiligsprechung seines Pontifikats Antonio Primaldo gleich mit 800 seiner Gefährten heiliggesprochen – diese allerdings als Märtyrer. Da Johannes Paul II. eines natürlichen Todes starb und daher kein Märtyrer war, hat es mich natürlich interessiert, mit welchem Wunder er 2018 die Kongregation für die Heiligsprechung überzeugt hat. Pressewirksam wurde dieses Wunder jedenfalls nicht erwähnt. Aber vielleicht wussten die Redakteure auch gar nicht, dass für eine Heiligsprechung mindestens ein Wunder erforderlich ist.

Vergänglichkeit, Ölbild, Vincent Van Gogh, Amsterdam

In frühchristlicher Zeit wurde für einzelne Märtyrer am jeweiligen Todestag eine Eucharistie gefeiert. Mit steigender Heiligenzahl war dies nicht mehr möglich. Deshalb wurde im 4.Jahrhundert am 1. Sonntag nach Pfingsten Allerheiligen als Herrentag aller Heiligen eingeführt. Da sollten alle Heilige im Himmel gnädig gestimmt werden. Als Fürsprecher all jener armen Seelen, die bis zum jüngsten Gericht im Fegefeuer ausharren müssen. Für welche zur Rettung des ewigen Seelenheils üppige Spenden an die Kirchen flossen.

In der Ostkirche blieb dies bis heute so. Im Rom ging man jedoch eigene Wege. Dort hat Papst Gregor IV. 835 für die gesamte Westkirche Allerheiligen auf den 1. November festlegte. Bis mit Luther die Protestanten kamen. Die hatten für Fegefeuer und Ablasshandel kein Verständnis – und schafften Allerheiligen einfach ab. Damit wurden die Heiligen als Fürsprecher arbeitslos. Was allen gemeinsam blieb ist ein Gedenktag an die Entschlafenen, an dem das Ewige Leben in den Vordergrund rückt.

Amerikanisch-irisches Gedenken der Heiligen am 31.10.
Party time made in USA

Bei den einen Allerseelen, bei den anderen der Totensonntag. Was überdies blieb ist „All Hallows Eve“ – aller Heiligen Abend – der Abend aller Heiligen. Gefeiert vor Allerheiligen scheint es mir fraglich, ob angesichts dieses irisch-amerikanischen Halloween-Brauchtums tatsächlich irgend einer der Heiligen gedenkt.

 

Können wir noch Christen sein?

Das Fegefeuer als Schreckgespenst

Der evangelische Theologe Gerd Lüdemann stellt die kritische Frage: „Können wir noch Christen sein?“ In seinem Buch „Der große Betrug“ zeigt er an Hand seiner Analyse der kanonischen Texte und des Thomas Evangeliums, wie bereits in der Frühzeit des Christentums die Lehre Jesu mit Fakes verfälscht wurde. Von Kirchenvätern so zurecht gebogen, dass Jesus im Sinne des monotheistischen Judentums als alleiniger und einziger Gott zu verehren sei. Durch Erzählungen von Jesus leiblicher Auferstehung und eines Endgerichtes sollten sich verängstigte Gläubige der Obhut dieser einzige wahren Religion und ihrer Repräsentanten anvertrauen. Andersdenkende, die diesem Gebot nicht folgen, sollen verflucht sein – „anathema sit“.

Der Koran – Intoleranz in 114 Suren

Mit dem „Nostra Aetate“ des 2. Vatikanischen Konzils haben die Päpste die Konsequenzen aus der Realität gezogen, dass sie in einer laizistischen Gesellschaft nicht mehr die Macht haben, die Religionsfreiheit einzubremsen. Seither wird – wie auch vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn – proaktiv „Toleranz“ verkündet. Ohne zu berücksichtigen, dass die Dogmen monotheistischer Religionen der Grundstein für jede Intoleranz sind. Was in christlichen Ländern zur Abwechslung nun die an ihrem einzigen Gott hängenden intoleranten Muslime zu spüren bekommen.

Das Ganze kommt einem bekannt vor: Der Gott, der Israel zu seinem Volk auserwählt, sondert es von allen anderen ab. Der Abfall vom wahren und einzigen Gott – dem Führer dieses Volkes – bedeutet auch Abfall vom eigenen Volk, Volksverrat und somit Staatsverrat. Eine Ideologie der Ausgrenzung, die auch im „Dritten Reich“ erfolgreich praktiziert wurde.

Heute reicht der christliche Kirchenbann – anathema sit – nur noch dafür, dass einem „ungläubigen“ Religionswissenschafter wie Lüdemann seine Lehrbefugnis an der theologischen Fakultät entzogen wird.

Gerd Luedemann, ein Ketzer unter Kirchenbann

Er zeigt uns lebensnah, dass für die Ausbreitung der frühen christlichen Kirche die Duldung nichtrömischer Religionen durch römische Behörden von wesentlicher Bedeutung war. Dieses System griechisch-römischer Toleranz wird heute von jenen gepredigt, die damit ihre ethische Überlegenheit zur Schau stellen.

Die Intoleranz – systembedingt

Die damit neuer Intoleranz – etwa der des Islam – den Weg ebnen.

Die Neuübersetzung der Evangelien in dem in Kürze erscheinenden Buch „Jesus Fake“ zeigt: Jesus war ein Revolutionär gegen dieses völkisch-monotheistische Gottesbild des Judentums. Er würde heute auch gegen die intoleranten Religionsgesetze des Islam kämpfen. Und er würde die heuchlerische Toleranz christlicher Kirchen aufzeigen, die sich nicht von ihren Dogmen trennen können.

Kämpferin gegen Verschleierungsgebot
Zana Ramadani – gefährdete Frauenrechtskämpferin

Jener Kirchen, die sich gleichzeitig dem „Toleranzwahn der Deutschen“ (O-Ton der Menschenrechtsaktivistin Zana Ramadani in „Die verschleierte Gefahr“) verschrieben haben.

Allerdings würde er mit seinem radikalen Kampf gegen das Böse heute nicht gekreuzigt werden – sondern wahrscheinlich einem Attentat oder einem Meuchelmord zum Opfer fallen.

Die Intoleranz der Evangelien

Toleranz ist zum Modewort geworden. Etwa beim Mainstream, der damit gegen die „Hassprediger“ zu Felde zieht. Diesen Zug will auch Kardinal Christoph Schönborn nicht verpassen. Für ihn muss der Evangelist Markus herhalten, um sonntags in der Kronenzeitung die „richtige“ Toleranz zu predigen.

Vertreter christlicher Kirchen sollten bei diesem Thema jedoch ganz leise treten. Denn es sind die Kirchen und ihre Dogmen und nicht deren Gläubigen, die andere Religionen und Meinungen nicht gelten lassen. Bis hin zur Verfolgung, ja bis zu Religionskriegen, wie Schönborn offen zugibt. Die Historie zeigt, dass sich diese Kirchen und deren Autoritäten bei der „Toleranz“ auf ganz brüchiges Eis begeben.

Denkmal des Giordano Bruno in Rom am Campo de Fiori

Immer wenn ich in Rom am Campo de Fiori vorbeikomme, lege ich für Giordano Bruno eine kurze Gedenkminute ein. Dort steht seit 1889 sein Denkmal. Ein von Freimaurern initiiertes Mahnmal, gegen dessen Errichtung der Vatikan Sturm gelaufen ist. Bruno war ein neapolitanischer Ordensbruder, Philosoph und Astronom – der als einer der Ersten die Unendlichkeit unseres Universums erkannte. Das Göttliche lag für ihn als Pantheist in der Struktur des Universums, wofür er keinen personifizierten Gott erforderlich erachtete. Weshalb er auch die Marienverehrung verweigerte. Als bekannt wurde, fass er die Schriften des Kirchenvaters Hieronymus in der Latrine versenkt hatte, musste er vor der römischen Inquisition zu den Protestanten flüchten. Bis ihn auch die Calvinisten und Lutheraner wegen seiner Weltanschauung und seiner Lehre mit der „Kirchenzucht“ belegten und inhaftierten.

Früher wäre das Buch verbrannt worden

So war er sein Leben lang mit der Ablehnung von Gottessohnschaft und Jüngsten Gericht vor den Kirchen auf der Flucht. Getrieben vom Heimweh, kehrte er nach Italien zurück. Nach achtjähriger Haft wurde er am 17. Februar 1600 in Rom als Ketzer verbrannt. Erst vierhundert Jahre später ließ sich der Papst dazu herab, diesen in Gottes Namen vollbrachten Mord als Unrecht zu betrachten.

Theologe Gerd Luedemann, ein Ketzer der Jetztzeit

Der deutsche Theologe Gerd Lüdemann hat Glück, dass er im 21. Jahrhundert lebt. Denn seit dem Holocaust ist das Verbrennen von Menschen nicht mehr in Mode. Er beweist mit seiner Forschung die mangelnde Integrationsfähigkeit früher Christen. Der im ersten Gebot der alttestamentlich-jüdischen Tradition begründete Monotheismus hatte zur Folge, dass sie ihren Kontakt zu ihren heidnischen Mitbürgern stark einschränkten. Während andere Religionen loyal die Götter Roms respektierten, waren die intoleranten Christen wegen ihres exklusiven Gottesverständnisses dazu nicht in der Lage. Sie hielten ausschließlich den Vater Jesu Christi für den wahren Gott – wie schon zwei Jahrhunderte zuvor die Makkabäer nur Jahwe als Gott Israels und als einzigen Gott der Welt anerkannten.

„Alles andere waren nichts als böse Dämonen, wie immer sie hießen. Christen kauften ihr Fleisch nicht mehr beim heimischen Fleischer, da sie kein Götzen geopfertes Fleisch verzehren wollten; sie besuchten nicht mehr das Theater, denn die dort aufgeführten Spiele handelten von Pseudo-Göttern; sie nahmen in der von ihnen bewohnten Stadt nicht an den zahlreichen Festen für die verschiedenen Stadtgottheiten teil. Ihre Konvertiten rekrutierten sich hauptsächlich aus den unteren Schichten. Außerdem verweigerten sich die allermeisten der Diskussion mit gebildeten Heiden und verlangten von ihren Anhängern und Sympathisanten, keine Fragen zu stellen – war doch allein der Glaube allen wichtig.“ So skizziert Lüdemann lebensnah das Gemeindeleben der frühen Christen.

Die verschleierte Gefahr

Diese haben ihre Intoleranz aus der Thora des Judentums übernommen. Später ist dann der Islam diesem Beispiel gefolgt. „Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig.“ Diese Sure 9:5 des heiligen Korans ähnelt der Hetze zu Pogromen und zur Ausrottung ganzer Völker, wie dies heute noch die heilige Thora und das heilige Alte Testament ungestraft propagieren dürfen.

„Wer nicht konvertiert, soll getötet werden. So geschieht es in Pakistan und Afghanistan, in Ägypten und Nigeria, kurz: wo immer der Wahn von einem islami(sti)schen Staat wütet“, bringt die kämpferische Menschenrechtsaktivistin Zana Ramadani die Problematik des Islam auf den Punkt.

Mehr dazu in Kürze –  in meinem nächsten Blog!

 

 

 

 

Die hohe Kunst der FAKES

König der Fälscher

Hitlers Tagebücher

Am 25. April 1983 verkündete das „stern“ – Magazin vor 17 Fernsehteams und 200 weiteren Reportern den Start der Veröffentlichung von Hitlers

Hitler Briefmarke 1942

persönlichen Tagebüchern in 62 Bänden. Auf Grund des weltweiten Interesses hatte der Bertelsmann-Verlag vorweg deren Echtheit durch den britischen Historiker Hugh Trevor-Roper und seinen US-Kollegen Gerhard Weinberg überprüfen lassen. Auch der US-Schriftexperte Ordway Hilton und der Schweizer Kriminalwissenschaftler Max Frei-Sulzer bestätigten an Hand von Schriftvergleichen die Authentizität dieser Tagebücher. Überdies hatte auch das deutsche Bundesarchiv keine Bedenken gegen diese handschriftlichen Aufzeichnungen.

Konrad Kujau, König der Fälscher

Niemand bezweifelte die Geschichte des deutschen Malers Konrad Kajau, wie er in den Besitz dieser Urkunden gekommen ist, die zu Kriegsende bei einem Flugzeugabsturz aus den Flammen gerettet werden konnten. Für den Kauf und die Veröffentlichung dieser Dokumente hatte der Verlag 9,3 Millionen Mark bezahlt. Erst eine Materialprüfung des Bundeskriminalamtes belegte, dass das Papier der Tagebücher erst nach dem 2. Weltkrieg erstmals produziert wurde. Die Tagebücher entpuppten sich als Fake aus der Feder Kajaus, der dafür neben seinem „Autorenhonorar“ eine viereinhalbjährige Haftstrafe kassierte.

Plinius – Briefe

Eine ähnliche Sensation gab es im Jahre 1502. Da schlug die erstmalige Veröffentlichung eines Briefwechsels zwischen dem altrömischen Senator und Schriftsteller Plinius dem Jüngeren und dem römischen Kaiser Trajan aus den Jahren 111 bis 113 n. wie eine Bombe in der humanistisch gelehrten Welt ein. Vierzehn Jahrhunderte lang hatte niemand von dieser nunmehr vom Veroneser Philosophieprofessor Hieronymus Avantius veröffentlichten Korrespondenz Kenntnis. Darunter zwei Briefe, in denen erstmals nichtchristliche Autoren die moralische Integrität und religiöse Standhaftigkeit der frühesten christlichen Märtyrer bezeugen. Texte, die bis heute von Theologen als frühestes nichtchristliches Jesus-Zeugnis bewertet werden.

Denkmal des Philosophen Plinius
Plinius der Jüngere

Dieser 61 n. geborene Plinius war ein Neffe des berühmten Schriftstellers Plinius des Älteren. Er hatte die klassische Beamtenlaufbahn absolviert und es dank seiner Familie und Begabung bis zum kaiserlichen Legaten gebracht. Im Jahre 111 wurde ihm die Verwaltung der kleinasiatischen Provinzen Bithynien und Pontus – im Nordwesten der heutigen Türkei – übertragen. In neun Bänden behandelte er – literarisch in Briefform gekleidet – alle damals relevanten künstlerischen, politischen und juristischen Themen des gesellschaftlichen Lebens in Rom. Ein „Highlight“ war sein Bericht über die Vesuv-Katastrophe, bei der auch sein prominenter Onkel in Pompeji ums Leben gekommen war.

Apostel Paulus trifft Seneca

Und nun tauchte fast fünfzehnhundert Jahre später ein zehnter Band mit kaiserlicher Korrespondenz aus der Frühzeit des Christentums auf. Quasi als Ergänzung zum Briefwechsel des berühmten Philosophen Seneca mit dem Apostel Paulus. In diesen vierzehn Briefen – davon acht von Seneca und sechs von Paulus – bestärkt der auf seinen Prozess wartende Paulus seinen Freund Seneca, am kaiserlichen Hof dem jugendlichen Kaiser Nero die Lehre Jesu zu verkünden. Eine Handschrift, die erstmals 392 n. vom Kirchenvater Hieronymus erwähnt wurde. Ein Briefwechsel, der bisher als unangreifbar echt galt. Dessen Echtheit jedoch um 1500 – somit knapp vor Avantius Veröffentlichung der neuen Plinius–Briefe – vom reformerischen Humanisten Erasmus von Rotterdam bezweifelt wurde. Der beurteilte es als eine „schamlose Narretei“, Seneca so reden zu lassen; und eine „Gotteslästerung“, Paulus derart triviale Worte in den Mund zu legen.

Avantius behauptete, dass er die Briefe von einem gewissen Petrus Leander übermittelt bekam. Der habe sie aus Paris nach Verona gebracht. Der venezianische Buchdrucker Monutius Aldus erwähnte dann in einer weiteren Auflage, dass der berühmte Geistliche, Architekt und Antiquar Fra Giocondo diesen Codex in einer Pariser Bibliothek entdeckt habe. Sämtliche spätere Verleger haben sich dann auf diesem Aldus berufen.

109 dieser Briefe stammen aus den 18 Monaten der Statthalterschaft in Bithynien, und zwar 61 von Plinius und 48 Antworten von Trajan. „Viele Briefe in so kurzer Zeit“, bemerkt dazu der evangelische Theologe Hermann Detering in seiner kritischen Abhandlung „Falsche Zeugen“ trocken. Deshalb gab es bereits vor der Erstausgabe 1502 Zweifel an der Echtheit dieses „Briefwechsels“. Neben der dubiosen Entdeckungsgeschichte dieser Handschrift stachen den Kennern der anderen Plinius-Bände auch sprachliche Ungereimtheiten ins Auge.

Plinius als Blogger

Dazu kam die Trivialität dieser „kaiserlichen Korrespondenz“, die weitere Zweifel nährte. Lapidare Mitteilungen ohne briefliche Einleitung, wie etwa über das Eintreffen eines Legaten aus Rom oder schlichte Geburtstagswünsche, für die sich der Kaiser artig bedankt. Wie dies heute auf Facebook üblich ist. Im Telegrammstill mit meist bedeutungslosem Inhalt, So scheint es Detering geradezu grotesk, dass Plinius – einst auch oberster Verwalter der Kloaken Roms – in Brief 98 Trajan als Bauherr berühmter Bauwerke (wie etwa die Donaubrücke) um die kaiserliche Zustimmung zur Eindeckung einer Kloake ersucht. „Wobei der Statthalter auf Antworten des mehr als 2.000 Kilometer entfernt in Rom lebenden Kaisers sicherlich mehrere Wochen warten musste.“

Hermann Detering als kritischer Theologe

Den Verfechtern der Echtheit geht es vor allem um die zwei sogenannten „Christenbriefe“, die das Märthyrertum früher Christen belegen. Sie berufen sich auch auf den Kirchenvater Tertullian, der als erster einen derartigen kaiserlichen Briefwechsel erwähnt. Allerdings verweist Detering auf die zweifelhafte Historizität der von Tertullian zitierten „Dokumente“: Der etwa die Registrierung von Jesus Geburt in den Archiven Roms bezeugt. Oder der von einem Brief Marc Aurels über ein christliches Regenwunder berichtet – das es nie gegeben hat. Oder der vom Apostel Johannes zu berichten weiß, dass dieser – in siedendes Öl geworfen – diese Tortur ohne Schaden überstanden hat.

Tertullians Phantasie hat auf andere Kirchenväter wie Hieronymus im 4. Jhdt. oder Marianus Scotus im 11. Jhdt. befruchtend gewirkt. Sie haben sich in ihrer Lehre auf diese Briefe berufen, ohne sie je gesehen zu haben. Tatsächlich ist die angeblich in Paris aufgefundene Plinius – Handschrift schon kurz nach ihrer Veröffentlichung verschollen. Jedenfalls scheint Frau Giocondo – volgo Jucundus Veronensis – der einzige gewesen zu sein, der diesen Codex je zu Gesicht bekommen hatte. Möglicherweise hat Tertullian einen Autor zu einem derartigen 10. Plinius Band animiert. Vielleicht stammt er direkt aus der Feder des Frau Giocondo als profunden Kenner der römischen Kaiserzeit, der damit Zweifel protestantischer „Kirchenfeinde“ an der Echtheit der Paulus/Seneca-Korresondenz zerstreuen wollte.

Plinius: Eine super Fälschung

Ob Plinius oder Seneca – mit beiden Namen haben spätere christliche Verleger jedenfalls ein gutes Geschäft gemacht. Die Echtheit dieser Werke kann heute niemand an Hand von Papier- oder Tintenproben überprüfen. Das Schicksal der Enttarnung gefakter Hitler – Tagebücher blieb dem „Parisianus“ bis heute erspart. Damit Theologen solch enttarnte Fälschungen nicht bei ihrem hässlichen Namen zu nennen brauchen, verpasste ihnen die Kirche eine neue wissenschaftliche Identität: PSEUDOEPIGRAPHIE – die Kunst, gefälschte Dokumente unters Volk zu bringen.

Toleranz? Toleranz!

Die Forderung nach Toleranz wird angesichts der Flüchtlingskrise in katholischen und evangelischen Predigten gebetsmühlenartig wiederholt. Aber wie schaut es damit in diesen Kirchen selbst aus?

Santissima Trinita dei Monti, Rom

Wer genau hinsieht muss erkennen: Die Grundlage dieses Glaubens basiert auf der Allmacht ihres einzigen Gottes – des christlichen Gottes. Diese Weltsicht schließt alle anderen Religionen und deren Gottheiten aus. Ihre Intoleranz ist systemimmanent:

Wer das nicht „glaubt“, der nehme einmal das katholische Glaubensbekenntniss unter die Lupe: „Ich glaube an Gott, den Allmächtigen…. und an Jesus Christus…er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, und dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten…“ Dieses Credo stammt aus dem Jahr 325, das von Kaiser Konstantin „dem Großen“ einberufen wurde, um seine Macht über die Kirche zur Einführung einer einheitlichen Staatsreligion zu nutzen. Und auf dem alle Andersgläubigen, die nicht diesem Credo folgen, zu Außenseitern wurden.

Konstantin der „Große“

Es stammt aus einer Zeit, als es noch sehr viele mehr oder minder große „Könige“ und „Fürsten“ gab. Inflationäre Titel, die wenig über die reale Macht aussagten. Weshalb sich besonders Mächtige als „König der Könige“ verehren ließen. So hatte auch der in Serbien geborene Konstantin alle Hände voll zu tun, die zwei konkurrierenden Kaiser zu eliminieren und sich als „Augustus“ (eine Art „Oberkaiser“) allein an die Spitze des römischen Reiches zu setzen. In einem Reich, in dem noch viele Götter verehrt wurden. In dem eine Göttin Minerva als Symbol der Toleranz und Beschützerin der Weisheit verehrt wurde. Die Kaiser Domitian (51 – 96 n.) sogar auf seine Münzen prägen ließ.

Mit Hilfe einer machthungrigen Kirche gelang es, einen Obergott als Herr über alle anderen existenten Gottheiten zu etablieren. Der selbstverständlich – so wie Konstantin selbst – über Allmacht verfügte, allmächtig war. Die bisher von Minerva beschützte Toleranz war damit passé.

Heilige Dreifaltigkeit

Diese weltlich-hierarchische Projektion der Macht hat sich auch in den religiösen Vorstellungen des Glaubensbekenntnisses als Basis dieser Kirche niedergeschlagen.

Dreifaltigkeitsdom, Moskau

Der Vater des Jesus musste der „Chef“ sein. Daher musste dieser auch der „einzige“ Gott sein, der alle Eigenschaften aller anderen damals im Reich verehrten Götter in sich vereinigt.

Deshalb wurde eine komplizierte Trinitätslehre erfunden: Mit einem allmächtigen Gott, einer „unbefleckten“ Maria und dem göttlichen Sohn Jesus, den sie vom „Heiligen Geist“ empfangen hatte.

La Trinité,  Paris

Doch wer die von Jesus in den Evangelien überlieferten Worte genau studiert, findet keinen Hinweis auf eine göttliche Allmacht.

Allmächtiger Gott

„Für Jesus war Gott gut wie ein Vater oder eine Mutter, aber nicht allmächtig wie für die Anhänger vieler Kulte und Religionen mit falschen Gottesvorstellungen“ verwirft der „Friedensjournalist“ Franz Alt in seiner Evangelienanalyse „Was Jesus wirklich gesagt hat“ den von der Kirche propagierten Allmachtsgedanken. Der mit „Toleranz“ als Grundbedingung für Humanität und geistige Freiheit nicht auf einen Nenner zu bringen ist. Toleranz als grundsätzliche Anerkennung, dass es „die Wahrheit“ als einzige Wahrheit nicht gibt. Und damit auch keine Verfolgung von Häretikern und sonstigen „Ungläubigen“, welche die Einzigartigkeit des wahrhaft „Allmächtigen“ bezweifeln. Erst wenn alle abrahamistischen Kirchen auf ihren jeweils monotheistisch monopolisierten Allmachtsanspruch verzichten, können „Gläubige“ zu freien und toleranten Menschen werden. Erst dann ist der Weg zu den Jesus vorschwebenden friedlichen Gottesreich auf Erden geebnet.

Gottes Sündenbock

Katholische Kirche
Ein Sündenbock muss her!

Derzeit entsetzen sich Politiker unterschiedlicher Couleur über die Ausschreitungen im sächsischen Chemnitz. Eine Stadt, die in „den Asylanten“ einen Sündenbock für die herbei „gemerkelte“ politische Misere gefunden hat. Doch es gehört zur uralten Tradition vieler Völker , die Schuld eines „Volkes“ auf einen Sündenbock abzuwälzen.

Jom Kippur

Schon im Alten Testament (3. Buch Moses 16ff) wird dieser religiöse Brauch der Israeliten ausführlich beschrieben. Noch heute wird er am Jom Kippur – heuer am 18. Und 19. September – als höchster jüdischer Festtag (Versöhnungstag) gefeiert: „…so soll er den lebendigen Bock herzubringen.

Yom Kippur – Jom Kippur

Dann soll Aaron seine beiden Hände auf dessen Kopf legen und über ihm bekennen alle Missetat der Israeliten und alle ihre Übertretungen, mit denen sie sich versündigt haben, und soll sie dem Bock auf den Kopf legen und ihn durch einen Mann, der bereitsteht, in die Wüste bringen lassen, dass also der Bock alle ihre Missetat auf sich nehme und in die Wildnis trage; und man schicke ihn in die Wüste.“

Dieses Brauchtum war nicht überall so tierisch-harmlos. So wurden in der japanischen Provinz Owari gefangene Fremde oder Verbrecher zum Sündenbock gemacht. Denen wurde im Tempel – nach einer Reinigungszeremonie – ein Opferkuchen (Mochi) umgebunden. Dann wurden sie aus dem Tempel gejagt und bis zur Erschöpfung verfolgt.

Auch die alten Griechen brauchten einen Sündenbock. Dies insbesondere, wenn Seuchen eine Stadt heimsuchten. Dafür wurden einem Mann ein Kranz schwarzer Feigen und einer Frau einer mit weißen Feigen umgehängt. Dann wurden sie durch die ganze Stadt geschleppt, um alles Unreine an sich zu ziehen. Schließlich führte man sie aus der Stadt, steinigte und verbrannte sie. Ihre Asche wurde in das Meer und in den Wind verstreut.

Chemnitz zeigt:

Chemnitz als Sündenbock

Der Bedarf und der Glaube an einen Sündenbock haben nicht nur in der Religion Jahrtausende überdauert. Ein archaischer Glaube, der nicht mit heuchlerischen Politikerreden oder Polizeieinsatz, sondern nur durch Aufklärung – im Sinne Voltaires – zu beseitigen ist.

Friede im Kommunionsstreit

Abendmahl oder Kommunion

Was ist das: die Kommunion

Ist das Brot, das Jesus beim letzten Abendmahl gereicht hat, wirklich sein Fleisch? Ist der Becher mit Wein, den er seinen Jüngern zu trinken gab, wirklich sein Blut? Mit dieser Frage hat sich kürzlich Kardinal Christoph Schönborn in seinem „Sonntagsevangelium“ auseinander gesetzt. Er verweist dazu auf die wunderbare Speisung einer Volksmenge am See Genezareth im Johannesevangelium 6,51 – 58:

Jesus in der Bibel
Bild: Cuyter Black 2008

„Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sag ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde in auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.“

Es waren diese Worte des Johannes Evangeliums, die den frühen Christen den Ruf einbrockten, sie würden bei ihren heimlichen Treffen kannibalische Rituale pflegen. Was selbst bei der allerlei Abartigkeiten gewöhnten römischen Society Abscheu erregte. Sie waren auch der Anlass, dass sich jene Anhänger von Jesus abwandten, die in ihm nur einen Manna vom Himmel zaubernden und Fische vermehrenden Rabbi sahen: „Abstoßend sind diese Worte – wer kann da nur zuhören!“

Da machte er seinen zwölf Aposteln klar: „Der Geist ist es, der Leben wirkt, das Fleisch ist gar nichts.“

Jesus am See Tiberias
Wunderbare Fischvermehrung

Und dies war auch die Botschaft, die er beim letzten

Abendmahl verkündet hat. Die offenbar nicht verstanden und daher unverständlich weiter erzählt wurde.

Die in Kürze erscheinende Evangelienharmonie „Jesus Fake“ kommt zu einer anderen Übersetzung: „Nach dem Essen nahm Jesus das Brot, dankte, brach es und sprach: Dies ist mein Leib, der gebrochen wird. Nehmt, esset und denkt an mich. Und er nahm den Becher, trank, reichte ihn den Schülern und sprach: Trinkt, dies ist mein Blut, das euch durchströmen soll zu einem neuen Liebesbunde. Ein neues Gebot gebe ich euch: Habt euch lieb! So sollt ihr euch lieb haben, wie ich euch geliebt habe. Denn daran, dass ihr euch lieb habt, werden die Menschen erkennen, dass ihr meine Schüler seid. Und niemals sollt ihr fröhlich sein, wenn ihr nicht euren Bruder in Liebe seht.“

Braucht Gott die Engel?
Leib Christi?

Das war der eigentliche Text, der bereits frühzeitig ins Unverständliche verzerrt wurde: Als Jesus Christus aramäische Predigten in fremde Sprachgebiete getragen wurde, mussten sie übersetzt werden. Und zwar frei nach den Worten des Bischofs Papias von Hierapolis (heute Pamukkale in der Türkei), einem Schüler des Apostel Johannes im frühen 2. Jahrhundert, zu den vielfältigen und widersprüchlichen Überlieferungen der Evangelien: Ein jeder übersetzte „so gut er es vermochte“. Fragwürdige Übersetzungen, an denen sich viele christliche Kirchen bis heute festklammern. Die letztlich – wie Schönborn richtig erkannte – auch vor 500 Jahren zur Spaltung der Christenheit beigetragen haben. Wie konnte man Jesus, der gekommen ist, uns vom Irdischen weg ins geistige Reich Gottes zu führen, den Gedanken der Entkörperung seines Wesens in Brot unterschieben? Einen Gedanken, der seinem Wollen und Wesen aufs schärfste widerstrebte! Ihn, dessen Reich nicht von dieser Erde ist, in ein Stück Brot bannen zu wollen.

Transsubstantiation:

Entweder hat Jesus uns von den lichten Höhen des Göttlichen ins Dunkel des Irdischen führen wollen – dann kann die Lehre von der Brotverwandlung echt sein; oder Jesus wollte uns vom Irdisch-Stofflichen weg ins Geistige führen, dann ist die Lehre von der Brotverwandlung falsch. Da kann es keinen Zweifel geben, was bei der Überlieferung echt und was falsch – fake – ist. Darüber können auch so zweifelhafte Worte wie „Transsubstantiation“ nicht hinwegtäuschen und Jesus-Schülern nicht weiter helfen. Auch wenn die Entwicklungslinien der Eucharistiefeier in den ersten Jahrhunderten nach wie vor unklar sind. Und Schörnborn bei seiner jüngsten Interpretation des „letzten Abendmahls“ – dem Sakrament der Eucharistie – versucht, sich mit dem Begriff „Kommunion“ als Synonym für das heutige „kommunizieren“ simpel einer Entscheidung zu ersparen.

 

 

Abraham trifft Ibrahim

Drei Religionen – ein Gott?

Seit Sonntag, den 19. August umrunden wieder einmal Millionen Gläubiger einen schwarzen Stein in der Kaaba von Mekka. Als Einleitung des viertägigen Opferfestes Eid al-Adha, bei dem weltweit 1,8 Milliarden Muslime ihres Stammvaters Abraham gedenken. Nach dem Morgengebet werden zu seinen Ehren weltweit Millionen von Schafen geschächtet, um an die Geschichte von Abraham und der von Gott angeordneten Schlachtung seines Sohnes Ismael zu erinnern. Eine Story, die ursprünglich vor fast dreitausend von den nomadisierenden Stämmen Israels erdacht worden war. Und die an den unabdingbaren Gehorsam der Juden an ihren Gott JHWH – sprich: Jahu – erinnert.

Gläubige in der Kaaba zur Gebetszeit

Mit einiger Berechtigung kann man sich fragen, was diese alte jüdische Erzählung im 21.Jahrhundert zu suchen hat. Ganz einfach: Mohammed hatte keine Zeit, eine eigene Geschichte über die Entstehung des Menschengeschlechts zu erfinden. Deshalb hat er einfach diese alt jüdische Story gekupfert und phantasievoll bereichert. Wie schon sieben Jahrhundert früher die Christen, die einfach die jüdische Thora zum „Alten Testament“ – zum heiliges Buch der damals noch jungen Kirche – erklärt hatten. Womit dank Mohammeds Bequemlichkeit der Grundstein zu den sogenannten „abrahamistischen Religionen“ gelegt wurde. Was heute manche Religionseliten eucharistisch von einer weltweit vereinten abrahamistischen Kirche schwärmen lässt. In der allerdings jede der drei Religionen das Primat beansprucht.

Führer – Ideologie?

Abraham schleift das Messer

Tatsächlich handelt es sich um eine Geschichte, die an den Kadavergehorsam des Dritten Reichs erinnert. Sie handelt von einem Führer, der von seinen Anhängern verlangt, dass sie für die Ideologie des Führers über Leichen gehen. Sogar über die Leichen ihrer engsten Angehörigen – in Fall Abrahams um die des eigenen Sohns. Bei den Juden und Christen soll der jüngere Isaak dem Gott geopfert werden, bei den Muslimen der erstgeborene Ismael. Es liegt nur in der Entscheidungsmacht dieses Führers, ob sein Befehl letztlich vollstreckt wird oder nicht. Dank des geistigen Horizonts der damaligen Nomadenvölker wurde dieser Führer einfach zum Gott erklärt, dem unbedingt zu folgen sei, um dessen Zorn zu vermeiden. Dass dieser archaische „Gott“ der Vater von Jesus sein soll – wie uns dies die katholische Kirche mit der Kanonisierung des Alten Testaments zur „heiligen“ Bibel weismachen will – wird von vielen Jesusanhängern einfach geistig verdrängt.

Für die Stadtväter von Mekka und Medina war die Anbetung dieses schwarzen Felsens schon immer ein gutes Geschäft. Auch heute sollen die Pilgerscharen Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. Aus mohammedanischer Sicht ist daher an der Hadsch als eine der fünf Säulen des Islam nicht zu rütteln. Da es sich bei dieser Geschichte jedoch um jüdisch-christliche Urheberrechte handelt, sollten die Kirchen in Jerusalem und Rom an diesen mohammedanischen Geldsegen paritätisch beteiligt werden. Im Sinne der eucharistischen Idee könnten dafür zusätzlich Christen und Juden zur Hadsch nach Mekka in Bewegung gesetzt werden. Um dort gemeinsam ihres Urvaters Abraham zu gedenken.

Mordbefehl vom Teufel?

Sibylle Lewitscharoff

Verblüffend ist, dass sich diese Geschichte trotz der Aufklärung des 19. Jahrhunderts weiterhin in den Dogmen der sogenannten Christen bis ins 21. Jahrhundert festgefressen hat. Natürlich konnte das letztlich kein göttlicher Befehl gewesen sein, wie dies die Religionswissenschafterin Sibylle Lawitscharoff im Buch „Abraham trifft Ibrahim“ dazulegen versucht. An Hand einer göttlichen Maus, die dem dänischen Gottsucher Sören Kirkegaard in einer kalten Winternacht am 23.Dezember 1841 in Berlin erschienen ist und die ihm die wahre Geschichte über Abraham ausführlich erläutert hat. Eine Maus, die ihm erklärte, dass es der Teufel war, der Abraham diesen Mordbefehl suggeriert hatte. Der Teufel, der damit Abrahams Gottesfurcht auf die Probe stellen wollte. Tatsächlich habe Gott jenen Engel gesandt, durch dessen Kraft die mörderische Klinge um Haaresbreite die Kehle Isaaks verfehlte. Wa sich Isaak dann über seinen Vater gedacht hat, bleibt bei den Juden und Christen unerörtert. Nur Mohammed hat sich darüber Gedanken gemacht: Er ließ Ismael freiwillig zur Opferung schreiten – der konnte daher seinem Vater auch nicht böse sein.

Der von Gott gesandte Mohammed hat sich in seinem Koran stets mit diesem Ibrahim verglichen. Einen der 25 Propheten Gottes, allerdings von allerhöchsten religiösen Rang. Er kommt gleich nach den fünf Gesandten: Adam, dessen Aufgabe die Stellevertretung Gottes auf Erden war; Noah, der die Menschheit vor der Sintflut zu retten hatte; Moses, der ihnen die Gesetze bringen sollte; Jesus als Autor der Evangelien und letztlich als Krönung Mohammed mit der Niederschrift des ihm von Gott in die Feder diktierten Korans.

Glasfenster: Der rettende Engel

Ibrahims Anhänger sollten laut Gottes Verheißung nicht nur ins Paradies kommen, sondern nach ihrem Tod dort auch all ihre Freunde und Weggefährten wiedersehen. Vorausgesetzt, dass vorweg Ibrahim einen seiner beiden Söhne diesem Gott als Opfer schlachtet. Der religionskritische Irak Flüchtling Najeb Wali macht trotz aller Parallelitäten auf die Unterschiede im Islam aufmerksam. Denn Mohammed war sich der Problematik seiner Nacherzählung bewusst. Das ist auch der Grund, warum er ausdrücklich darauf aufmerksam macht: „Ibrahim war weder Jude noch Christ; sondern er war ein wahrer Gläubiger , ein Gottergebener.(Sure 3, 67). Einer, der sich und seine Nachfahren Gott unterworfen hat: „Ich habe mich ergeben dem Herrn der Weltbewohner“ (2, 131) Im Koran ist nicht Isaak das Opferlamm, sondern der Erstgeborene Ismael – der aus Gehorsam gegen Gott bereit ist, sich diesem göttlichen Befehl zu unterwerfen. Der allerdings nicht durch einen Engel, sondern von Gott höchstpersönlich vor diesem unerfreulichen Ende bewahrt wird. ( Sure 337, 107). Eine Unterwerfung, von der sich auch das Wort Islam ableitet. Aus dem arabischen „aslama“ – sich ergeben, Gott hingeben, was einfach mit „Unterwerfung“ übersetzt wird.

Unterwerfung

Verlag Suhrkamp

Ismaels Nachkommen verstreuten sich über das, was man heute die Arabische Welt nennt, die Länder zwischen der Arabischen Halbinsel und Syrien. Sie reden sich laut Wali ein, sie hätten eine sichere Heimat namens „Arabischer Union“, aus der sie alle vertrieben, die nicht zu ihrer Glaubensgemeinschaft gehören. „Ganzen Völkern und großen ethnischen Minderheiten wurde auferlegt, sich der Tyrannei dieser Nachkommenschaft zu beugen, sich an ihren ständigen Kriegen zu beteiligen“. Diese Auseinandersetzungen sind als religiöser Auftrag zu verstehen: Es handelt sich bei ihnen wie bei der gefeierten Opferung Ismaels um „die klare Prüfung“ (Sure 37, 106) des Gottesglaubens. Denn alle Menschen sind seit Mohammed zu jener „Unterwerfung“ verpflichtet, deren Ergebnis Michel Houellebeqc in seinem Roman „Unterwerfung“ bereits treffend prophezeit hat.

Wieso Jan Fabre?

Fabres kritischer Blick auf unsere Religion

Jan Fabre

Um sich für die Worte des Predigers Jesus von Nazareth zu interessieren, braucht man weder an Gott noch an die Kirche zu glauben. Es ist einfach spannend, den Gedanken und Vorstellungen dieser zweifellos außergewöhnlichen Persönlichkeit zu folgen. Wenn man sich mit dessen überlieferten Worten auseinander setzt, erhebt sich zwangsläufig die Frage: Fälschung oder Original? Denn Fälschungen gibt es nicht nur bei Kunstwerken. Die gibt es auch bei den Evangelien. Und gar nicht so wenig.

Fabre in Florenz

Deren Bearbeiter und ihre Epigonen waren – und sind auch heute noch – um die „Geschichtlichkeit“ ihres Messias bemüht. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod wurde Jesus – in Verfälschung seiner Worte – von seinen Anhängern zum Messias und Gott erklärt. JESUS FAKE deckt die schon früh einsetzenden Verfälschungen im Interesse einer nach Macht strebenden jungen Staatskirche auf. Diese Tendenzen gibt es bis heute. Schon Immanuel Kant stellte fest: „Die Lüge ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur.“ Diese sollen auf der neuen Diskussionsplattform kritisch hinterfragt werden. JESUS FAKE möchte damit das Interesse an Jesus Wirken wiederbeleben. Wer ihm dabei folgen möchte, benötigt dafür keinen gütigen und keinen strafenden Gott, keinen Himmel und keine Hölle und auch keine heilige Dreifaltigkeit.

„Die Selbstkritik hat viel für sich …“

Fabres kritisches Selbstportrait Eremitage – Foto: Hervé Leyrit

Aber was hat Ian Fabre damit zu tun? Wieso wurde seine Glasplastik mit der weißen Schlange am grünen Kreuz zum Aufmacher dieser Diskussionsrunde? Ganz einfach: Weil sich Fabre – im Gegensatz zum Desinteresse anderer Künstler – seit Jahrzehnten mit dieser Problematik auseinander setzt.

Das war nicht immer so: Wer durch Europas berühmte Museen wandert bemerkt, dass die Religion über Jahrhunderte die „bildende Kunst“ monopolisiert hat. Sie diente ausschließlich dazu, die Erzählungen der Evangelien und das Leben Jesus zu visualisieren. Aus heutiger Sicht könnte man sagen: zu ideologischen Propagandazwecken.

Fabres Pieta

Erst mit der Renaissance und der Aufklärung ergänzten „Menschen“ und die „Natur“ die bisherigen „heiligen“ Motive. Im 18. Und 19. Jahrhundert wurden die „kirchlichen“ Motive immer mehr verdrängt. Heute gibt es faktisch keinen Künstler mehr, der sich mit religiösen Motiven und der „christlichen Religion“ auseinander setzt. Die Religion ist aus dem öffentlichen Bewusstsein und dem öffentlichen Erscheinungsbild verschwunden. Sie hat sich in die Privatsphäre zurück gezogen – oder wurde in diese verdrängt.

Parallel dazu ist das „Christentum“ aus der bildenden Kunst verschwunden. Es gibt auch keine Auftraggeber oder Mäzene dafür. Es existiert kein „Kunstmarkt“ für dieses Genre. Den Kirchen ist ihre Macht abhanden gekommen. In der veröffentlichten Meinung sind sie dafür verantwortlich, über Jahrhunderte ihre Macht missbraucht, die Rechte der Frauen beschränkt und den Holocaust nicht verhindert zu haben.

Zusätzlich ging ihre Spiritualität verloren. Sie habenden Künstlern kein „Narrativ“ mehr zu bieten, mit dem sich diese auseinander setzen können. Jesus hat sich für diese im 20. Jahrhundert in den Kosmos verflüchtigt. In der soeben in Wien zu Ende gegangenen hervorragenden Ausstellung „WOW“ – ein Querschnitt aus der Sammlung der Familie Horten mit Werken aus dem 19. Und 20. Jahrhundert – ist kein einziges christlich inspiriertes Motiv zu entdecken.

Fabres Kreuzgang

Um so bemerkenswerter ist es, dass sich Ian Fabre dieser Lücke angenommen hat. Seine Kreuzesdarstellung ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Jesusgedanken – und dem, was die Kirchen mit ihren Dogmen aus Jesus gemacht haben. Die Darstellung lässt dem Betrachter viel Spielraum. Sie regt ihn dazu an, seine eigenen Gedanken über Religion und Jesus am Kreuze zu entwickeln. Dies ist auch die Zielsetzung dieser Diskussionsrunde – und eines vor der Herausgabe stehenden gleichnamigen Buches.

Jesus kannte keinen Teufel

Was Jesus wirklich predigte – dem geht es an Hand syrischer und griechischer Uraufzeichnungen auf den Grund: Jesus wurde von keiner königlichen Jungfrau geboren. Er kannte keine Hölle und traf keinen Teufel, der ihn in Versuchung führen sollte. Er hat sich nicht taufen lassen und wollte keine Kirche gründen. Er machte auch keine Himmelfahrt, um drei Tage später wieder auf Erden zu erscheinen. Diese Geschichten wurden erst später in die Evangelien eingeflochten – was viele der kirchlichen Dogmen über den Haufen wirft.

Die Zusammenfassung der Evangelien in einer einheitlichen und leicht lesbaren Chronologie ermöglicht es jedem Leser, sich diesem Thema vorbehaltlos zu nähern. Ein Werk, das auch jene, die glauben, alles über Jesus zu wissen, zum Nachdenken über den Erlösungsgedanken des Christentums anregen wird. Es ist an Zeit, sich von der Vorstellung eines die ganze Welt vorbehaltlos liebenden Jesus zu verabschieden.

 

 

DORCAS – Jan Fabres Gazelle für Wien

Die Dorcas in natura

Dorcas – wer oder was ist das? Kaum einer konnte bisher mit diesem Begriff etwas anfangen. Bestenfalls ein paar Wüstenfreaks, welche dieser vom Aussterben bedrohten Gazellenart am Rande der Sahara begegnet sind. Die es aber auch in die Bibel geschafft hat. Wohlschmeckend galt sie geschächtet (Dtn 12.22) den Stämmen Israels als „rein“ und landete daher auch auf König Salomons Speisezettel (1.Kön 5.3).

Wegen ihrer Schnelligkeit und Anmut wurde die einst auch in den Wüsten Arabiens heimische „Ghazal“ der Inbegriff für Erotik und Sinnlichkeit. In der Traumdeutung signalisiert sie den Wunsch der Männer nach einer wunderbaren, aber nur schwer zu erobernden Frau. Und Spiritualisten sehen in ihr jene Leichtigkeit der Seele, nach der sie sich sehnen.

Dorcas – eifrig strickend

So ausgezeichnet, diente sie den alten Israeliten auch als hebräischer Frauennamen: Thabita oder auch Zibja – was im Griechischen zu Dorcas wurde. Und diese Dorcas – dem Namen nach eine schöne, aber schwer zu erobernde Frau – war in der Apostelgeschichte (Apg 9, 36-41) des Lukas eine Jüngerin Jesus. Dass diese außerordentliche Frau heute so wenigen bekannt ist, liegt vielleicht auch an Luthers Übersetzung, in der Dorcas zum Reh mutierte. Mit dem Begriff Gazelle hätten seine Landsleute wohl kaum etwas anfangen können.

Diese Thabita strickte Kleidung, um sie an Arme zu verteilen. Sie war der Inbegriff frühchristlicher Frömmigkeit. Als sie plötzlich erkrankte und in Joppe starb, wanderte gerade der Apostel Petrus auf Missionsreise nach Lydda, um dort Kranke zu heilen. Dorcas Anhänger riefen Petrus zu Hilfe – der auch prompt herbei eilte. Der sie mit den Worten „Tabitha, steh auf“ aus dem Jenseits ins Irdische zurück holte.

Für Lukas war eine derartige Auferstehung kein Problem. Er brauchte nur die alttestamentarische Geschichte der Wiedererweckung der mildtätigen Witwe von Sarpeta durch den Propheten Elija (1 Kön 17, 17-24) auf sein Idol Petrus übertragen. Auch hatte er mit Jesus Erweckung der Tochter des Jairus (Mk 5,21-24 ; 35-43) und der Auferstehung des Lazarus bereits berühmte Vorbilder. Und da die Evangelisten die Apostel nach Jesus Tod fast ins Überirdische erhoben, war in ihren Augen auch für den Apostel Paulus eine derartigen Totenerweckung kein Problem (Apg 20.7-12).

Matteo Sedda als Dorcas

Viele Jahrhunderte beflügelten diese Erzählungen die bildenden Künste. Doch dann gerieten sowohl die Witwe von Sarpeta als auch Dorcas in Vergessenheit. Bis die Vielschichtigkeit dieses Themas nun den Multikünstler Jan Fabre zu seiner tänzerischen Performance „The generosity of Dorcas“ inspirierte.

Bühnenbild: Jan Fabre

Im Odeon Theater feierte seine Kreation im Rahmen des internationalen ImpulsTanz-Festivals eine beeindruckende Weltpremiere. Die Musik von Fabres Lieblingskomponisten Dag Taeldeman scheint dem tänzerischen Solisten Matteo Sedda wie auf den Leib geschneidert. In den sich ständig steigernden Wiederholungen erlangt sie ein Intensität, die wir sonst nur von Ravels Bolero kennen. Unter Fabres Choreographie führt sie den virtuos tanzenden Sedda vor einem faszinierenden Bühnenbild aus Fäden und Nadeln hin zur körperlichen Ekstase – bis zu jener Trance, in die auch der rasende Reigen nahöstlicher Sufis mündet.

Dorcas – verhüllt

Ein Tanz, bei dem sich Dorcas Schicht für Schicht alles Materiellen, Irdischen zu entledigen scheint. Da wird das innere Sein zum Mittelpunkt des Universums. Ein Zustand, in dem sich vielleicht auch die „Gazelle“ Dorcas befand, bevor sie Petrus ins Irdische zurück holte. Eine Performance die zeigt, dass Tod und Auferstehung möglicherweise ganz anders aufzufassen sind, als uns dies derzeit kirchlich gepredigt wird.

Dorcas – enthüllt